KRIEGSLÜSTERNER WESTEN UND RUSSISCHE ZARENHYMNE

Oder: Warum uns Schwurbler und Verschwörungstheoretiker bei Filmbesprechungen helfen können

VonDietrich Quintilian

Guy-Fawkes-Maske im Film „V wie Vendetta“ (Foto:Imago)

Vor kurzem traf ich nach einiger Zeit einen alten Studienfreund endlich einmal wieder persönlich zu einem – von uns schon früher gepflegten und geliebten – Cappuccino-Exzess. Schon damals hatte er eine fast als skurril zu bezeichnende Affinität zu Esoterik und zu wissenschaftlichen Mindermeinungen, die er mit sicherer Hand zielstrebig an sich zog und wofür er einen regelrechten „Beißreflex“ entwickelte. Trotzdem war und ist er einer der feinsten, intelligentesten Kerle und „treuesten Hucken”, die man sich nur vorstellen kann, und ich treffe mich immer wieder gerne mit ihm.

Natürlich hat er fast alle gängigen Verschwörungstheorien zumindest zeitweilig schon selbst vertreten und würde von oberflächigen Personen sofort als „Aluhut-Träger” diskreditiert werden. Für mich waren seine teilweise exzentrischen Ansichten teils erheiternd, teils denkwürdig und reizten nur in den seltensten Fällen zum sofortigen Widerspruch (was ich dann allerdings jeweils auch sofort tat). Bei unserem kürzlichen Treffen nun überraschte er mich mit seiner neuesten Sichtweise: “Sie“ (bei ihm sind es immer “sie“, also die Mächte und Akteure, die – ansonsten unbestimmt und weiterhin ungenannt – hinter all den „Schweinereien” stehen) unterlägen dem Zwang, uns ihre üblen Machenschaften und Planungen durch Kinofilme im Voraus subtil ankündigen zu müssen. So gäbe es etwa Filme, die die Pandemievorgänge schon deutlich – Jahre zuvor – vorweggenommen hätten. Da ich ihn gerne auf die Schippe nehme, natürlich freundschaftlich und mit allem gebotenem Respekt, fragte ich ihn, welche Botschaft wir denn in dem Film “V wie Vendetta“ – eine meiner Lieblings-Dystopien – vermittelt bekämen. Darauf setzte er sofort an und hatte einiges zu erzählen. In diesem Fall fand ich seine Interpretation wirklich bemerkens- und bedenkenswert – so sehr, dass ich diesen Artikel schreibe.

Symphonische Dichtung

Wer den Film aus dem Jahr 2005 mit Hugo Weaving und Natalie Portman in den Hauptrollen nicht kennt, dessen Drehbuch von den Wachowski-Geschwistern (bekannt von der „Matrix”-Trilogie) stammt: In “V wie Vendetta“ lehnt sich ein Maskierter in der Kostümierung des englischen katholischen Rebellen Guy Fawkes gegen einen totalitär-faschistoid geführtes Staatswesen in einem England der nahen Zukunft auf. Der Protagonist, “V”, tötet die Köpfe der Nomenklatur dieser Diktatur, einen nach dem anderen, und ruft zeitgleich die Bevölkerung auf, am 5. November – dem Jahrestag der historischen Pulververschwörung von Guy Fawkes aus dem Jahr 1605 – dessen damals vereitelten Plan umzusetzen, das House of Parliament in die Luft zu sprengen. Damit soll das bauliche Symbol der Unterdrückung des Volkes durch korrupt-charakterlose Politiker zerstört werden. Höhepunkt des Films ist denn auch die Sprengung des Parlamentsgebäudes – durch eine unter dem Gebäude entlangfahrende und bis unter die Decke mit Sprengstoff vollgestopfte U-Bahn. “V“ ist ein großer Freund klassischer Musik und zu seinem Fanal hat er sich Tschaikovskys „Ouvertüre 1812” ausgesucht. Diese symphonische Dichtung erschallt denn im Film zum Zeitpunkt der Sprengung aus allen öffentlichen Lautsprechern, während die Menschen sich erheben und sich aus der Tyrannei endlich selbst befreien.

Nun bin ich auch ein großer Freund der klassischen Musik und liebe insbesondere dieses Werk, von Tschaikowski anlässlich des Sieges Russland über die Napoleonischen Armee komponiert, abgöttisch. ich war daher begierig zu erfahren, wie genau mein freund die bekannte symphonische Dichtung Tschaikowskis in seine eigene Verschwörungstheorie eingebaut hat. Er holte aus und erklärte mir die Zusammenhänge.

Sieg über die Kriegstreiber

In der „Ouvertüre 1812” streiten drei Themen miteinander: Die russische Seele, dargestellt durch einen beliebten russisch-orthodoxen Choral; die französische Nationalhymne (für die französisch-napoleonischen Invasoren); und schließlich die russische Zarenhymne der Romanows. Die russische Seele wird in dem Werk geschunden, wird immer wieder durch die aufbrandende Marseillaise abgeschnürt. Die Zarenhymne versucht immer wieder durchzudringen, schafft es aber zunächst nicht. Zum Zeitpunkt, wo alle drei Motive erstmalig aufeinandertreffen, geht die Marseillaise als Sieger heraus – Musikwissenschaftler sind sich weitestgehend einig, dass dieser Teil den Rückzug der Russen bei Borodino und die Preisgabe Moskaus ausdrücken soll. Es geht weiter: Wieder streiten die Motive miteinander, und diesmal entwickelt sich alles anders: Die russische Seele erstarkt, das Trompetenmotiv der Franzosen wird immer hektischer und schwächer – sie befinden sich auf einem fast ungeordnet zu nennenden Rückzug. Und noch ein weiteres Mal treffen die drei Motive (an der Beresina) aufeinander – doch diesmal werden die Franzosen praktisch aufgerieben, die russische Seele jauchzt mit den Glockenschlägen orthodoxer Glocken und daraus schält sich wahrlich hymnenhaft die siegreiche Zarenhymne hevor. Im Original sind von Tschaikovsky an den beiden zentralen Stellen des Werks – sinnbildlich für Borodino und Beresina – leibhaftige Kanonen im Orchester beziehungsweise auf der Bühne vorgesehen.

Nachdem mein Freund mir diese Hintergründe des Werkes dargelegt hatte, verstand ich, was er meinte und welche Botschaft in „V wie Vendetta“ subtil vermittelt werde: „Sie” wollten uns also frühzeitig sagen, dass – wenn die westliche Welt so weitermacht mit ihrer Kriegsgeilheit – das englische Parlament (und die City of London?) früher oder später fallen werden und ihr Kriegsgeschrei von der russischen Zarenhymne übertönt wird. Das beruhigt den aufgewühlten Menschen doch! Angesichts dieses Gedankens mag sich die Bestürzung über die offen zu Tage tretende Kriegslüsternheit unserer Regierung und ihrer Haus- und Hofmedien durchaus in eine gewisse Gelassenheit verwandeln: Wenn die Zarenhymne in London erklingt, sind die Kriegstreiber gescheitert – zumindest mit ihrem erklärten und größenwahnsinnigen Kriegsziel. Danke, Freund, für diese Erkenntnis!

Übrigens: Für alle, die das phänomenale Werk von Tschaikovsky ebenfalls genießen wollen, führt dieser Link in die auditive Seligkeit.

Опубликовано lyumon1834

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