Im Jahr 1880 wurde im Dfes Brjantsewka ein großes unterirdisches Salzvorkommen entdeckt. Bereits im folgenden Jahr wurde das erste Salzbergwerk in Betrieb genommen und die wirtschaftliche Gewinnung von Steinsalz begann. Dieses Ereignis legte den Grundstein für das Unternehmen „Artjomsol“ und die Entwicklung der Stadt Karlo-Libknechtowsk (heute Soledar). Das Unternehmen erhielt seinen Namen zu Ehren von F.A. Artjom. Fjodor Andrejewitsch Artjom (1883-1921) war ein russischer Revolutionär, sowjetischer Politiker, Staats- und Parteifunktionär. Er war seit 1901 Mitglied der Russischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei und der Gründer und Leiter der Sowjetrepublik Donezk-Kriwoj Rog, ein enger Freund von Sergej Kirow und Josef Stalin. Klar, daß die ukrainischen Faschisten nicht nur sämtliche sowjetischen und russischen Denkmäler abreißen, sondern auch Städte und Straßen umbenennen.
Salzgewinnung in der Sowjetunion

Viele Jahre lang war der staatliche sowjetische Großbetrieb „Artjomsol“, rund 80 km nördlich von Donezk und nur 15 km von Artjomowsk (heute: Bachmut) entfernt, das größte Unternehmen für die Gewinnung und den Verkauf von Speisesalz in Mittel- und Osteuropa. Seine Produkte wurden in 22 Länder der Welt geliefert. Das Unternehmen war in der Lage, mehr als 7 Millionen Tonnen Salz pro Jahr zu produzieren. „Artjomsol“ wurde zu einem Zusammenschluß von sechs Bergwerken, der seit 1976 bestand. Die Salzlagerstätte Artjomowskoje wurde in einer Tiefe von 200-300 Metern abgebaut. Im Laufe von mehr als hundert Jahren entstand ein rund 300 km langes Grubensystem, in dem bisher mehr als 250 Millionen Tonnen Salz gefördert wurden, und das Volumen der Hohlräume 110 Millionen Kubikmeter übersteigt. Trotz des großen Volumens der Abbaustellen sind bisher nur drei Prozent des Salzes der Lagerstätte erschlossen. Die Salzvorkommen von Soledar würden also noch lange Zeit ausreichen.
Die wechselhafte Geschichte des sowjetischen Salzbergbaus
Von 1926 bis zur Zerschlagung der Sowjetunion 1991 trug das Arbeiterdorf Brjantsowka den Namen Karlo-Libknechtowsk, zu Ehren von Karl Liebknecht, einem der Gründer der Kommunistischen Partei Deutschlands. Im Jahr 1965 wurde Karlo-Libknechtowsk der Status einer Stadt verliehen. Während des Großen Vaterländischen Krieges wurde die Ausrüstung für den Salzabbau auf die Felder in Baskunchak und Elton (Regionen Astrachan und Wolgograd) evakuiert, um den Abbau in diesen Regionen zu organisieren. Um die riesigen sowjetischen Salzvorräte auszuplündern, hatten die faschistischen Okkupanten auf dem Feld Artjomowskoje eines der Bergwerke wiederhergestellt, das jedoch wegen dreimaliger Überflutung durch Partisanen nur unregelmäßig in Betrieb war.

Nach der Befreiung vom deutschen Faschismus…
Erst nach der Befreiung des Donbass durch die Rote Armee im Dezember 1943 konnte die Arbeit in den Minen wieder aufgenommen werden. Bereits im darauffolgenden Jahr wurden 435 Tausend Tonnen Salz gewonnen. Im Jahr 1947 war das letzte der zerstörten Bergwerke wiederhergestellt. Zu Sowjetzeiten produzierten diese Salzbergwerke etwa 40 % des gesamten Steinsalzes in der UdSSR, und damit 88 % der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik. Das Volumen der Salzproduktion belief sich 1985 auf 6,8 Millionen Tonnen und 1991 auf 7,2 Millionen Tonnen.
Kapitalistische Vermarktung der Salzgewinnung
Im Juli 1991 wurde die Stadt Karlo-Libknechtowsk umbenannt in Soledar. In einem der ausgebauten Bergwerksstollen befindet sich ein unterirdisches therapeutisches Sanatorium, ein Speläo-Sanatorium (lat. spelunca – Höhle) für Erwachsene und Kinder, in dem Atemwegserkrankungen, Allergien, Haut- und neurologische Erkrankungen behandelt wurden und sogar Konzerte stattfanden.
Das Mikroklima des Salzbergwerks zeichnet sich durch einen hohen Gehalt an Salzmikropartikeln in der Luft aus, die antimikrobielle Eigenschaften, eine hohe Ionisierung und das Fehlen von Allergenen und Viren aufweisen. Diese Bestandteile haben für die Besucher eine heilende Wirkung. So ersetzte der zweistündige Aufenthalt im Salzbergwerk 15 Inhalationsbehandlungen. Bis zu 100 Personen konnten sich hier gleichzeitig erholen. Hier wurden bis vor wenigen Jahren noch touristische Exkursionen durchgeführt und es gibt sogar ein unterirdisches Museum der Salzindustrie. Die Salzbergwerke sind gewachsen und haben große Stollen in Form von unterirdischen Katakomben. In der Stadt Soledar gab übrigens 3 Vorschuleinrichtungen für Kinder, 2 weiterführende Schulen, eine Berufsschule, eine Musikschule und ein Zentrum für Kinder und Jugendliche.
Eine mißlungene Kolonialisierung…
Lange dauerte der Kampf der Belegschaft gegen eine Privatisierung des Großbetriebs „Artjomsol“. Doch seit Oktober 2003 gehört die Aktiengesellschaft „Dekonsker Gips“ dem deutschen KNAUF-Konzern, der seine Produkte auch in EU-Länder lieferte. Wen wundert es, wenn dieser deutsche Konzern hier billige Arbeitskräfte und riesige Rohstofflagerstätten ausbeuten konnte? Doch eine lange Phase der kapitalistischen Ausbeutung war auch diesem Konzern nicht beschieden. Nach dem faschistischen Putsch in Kiew 2014 hatte sich die Bevölkerung des Donbass mit überwältigender Mehrheit für eine regionale Abtrennung der Donezker und Lugansker Gebiete entschieden. Kurz drauf begann der faschistische Überfall der Ukraine auf die selbsternannten Republiken.
Der Krieg des faschistischen Regimes in Kiew
Zehntausende Einwohner des Donbass, darunter Hunderte Kinder und alte Menschen fielen in diesen acht Jahren dem barbarischen Terror des faschistischen Kiewer Regimes zum Opfer. Doch dann, am 28. Februar 2023, kam Rußland der bedrängten Bevölkerung mit einer militärischen Spezialoperation zu Hilfe. Auch Soledar wurde nun zum Kriegsgebiet. Der Betrieb in Soledar wurde stillgelegt und die 589 Arbeiter entlassen. Von da an änderte sich das Leben der Menschen in diesem Gebiet radikal. Einst zu Sowjezeiten war die Gegend um Artjomowsk, Kramatorsk und Gorlowka eine belebte und friedliche Region. Doch heute ist Bachmut nicht mehr zu erkennen. Auch die ganze Stadt Soledar ist ein einziger Trümmerhaufen. Erst nach und nach gelang es der russischen Armee, den ukrainischen Faschisten Stück für Stück der russischen Heimat zu entreißen. Dabei kam auch die russische Privatarmee „Wagner“ unter Jewgeni Prigoshin zum Einsatz. Durch die Lieferung schwerer Waffen verschärfte sich der Krieg immer mehr. Die NATO beteiligte sich mit Söldnern. Deutsche Leopard-Panzer, US-amerikanische Himars-Raketen und britische und kanadische Munition bedrohen und töten die friedlichen Einwohner dieses Gebiets. Wochenlang mußten die Menschen in den Kellern ausharren. Die Verluste der ukrainischen Armee gehen in die Zehntausende. Doch auch die russischen Verteidiger des Donbass mußte herbe Verluste hinnehmen, allerdings zehnmal so wenig wie die ukrainische Seite.
Quellen:
https://fishki.net/1242668-jekskursija-po-soljanym-shahtam-soledara.html/gallery-554711
Soledar vor dem Krieg






Das Salzbergwerk in Soledar
Einige Bilder aus dem Kriegsgebiet:
Soledar – März 2023






Kinder des Krieges – Eine Fotoausstellung in Moskau









Fotos: Dr. Heike Walter (Moskau) – Auswahl.

