WELTSTADT BERLIN: NOTDURFT IM NOTDORF

Von Rocco Burggraf

Donnerbalken hinter Planen: Weltmännischer Fäkalflair auf Berlins Flaniermeile (Foto:privat)

Was Sie auf dem obigen Beitragsbild sehen, liebe Lesende, ist die Pracht- und Flaniermeile Friedrichstraße in der Hauptstadt der Industrienation Deutschland. Der Nabel der Welt. Sie wissen schon. Checkpoint, Friedrichstadtpalast, Galeries Lafayette, Hotels, Banken, Nobelmarken. Nach der Wende wurde hier geklotzt. Ein Kaff wollte Metropole werden. Oben mitspielen. Eine Weile schien dies zu gelingen. Mit dem beeindruckenden Siegeszug des rotgrünen Senats hielt aber dann sukzessive wieder das vertraute Flair der Bauwagensiedlungen aus Kreuzberg und Friedrichshain Einzug.

Man richtete Baustellen für die Ewigkeit ein, sperrte die Autos und damit den Kapitalismus aus, klebte fröhlich mäandernde Popup-Fahrradwege auf den Asphalt, verteilte ein wüstes Mixed aus Europaletten, Baucontainern, Absperrgittern, Verbotsschildern, Pflanzkübeln und zusammengezimmerten Sitzfavelas aus rohem Holz, und schuf so geschickt ein Ambiente, das selbst unter Punkern und Obdachlosen noch veritables Misstrauen erregte. Die Luxusläden gaben entnervt auf. Die Sprayer übernahmen den Rest. Berlin wollte lieber Kaff sein. Arm und sexy.

Nachhaltiges Kacken im Offenstall

Der nun aktuell neu gebastelte Senat versprach zwar Besserung, hatte aber außer der Öffnung für den Verkehr weder Mittel noch Ideen, um den alten Glanz aufzupolieren. Ganz im Gegenteil. Auf der regelmäßig gesperrten Einkaufsstraße wurden nun kürzlich Verschläge aus Baugerüsten und schwarzen Planen errichtet. In diesen Verschlägen (holen Sie kurz Luft) platzierte man farblich passende Mülltonnen, vor denen ein robuster Sitzbalken montiert wurde. Unten in jeder der Tonnen findet der Ungläubige (der Gläubige natürlich auch) eine großzügige Lage aus feinstem Stroh:

Zurück ins Mittelalter: Einstreu für neubürgerlichen Stuhlgang (Foto:privat)

Sie werden es bereits erraten haben: Es handelt sich um Einstreu für die bunte neue Zivilgesellschaft. Flanierende, Touristen, Staatsgäste können sich hier nach dem Genuss von Fastfood und verdauungsfördernden Getränken, ungeachtet ihrer gesellschaftlichen Stellung, ein fröhliches Stelldichein des nachhaltig wassersparenden Kackens im Offenstall geben. Wenn es noch eines Beweises zum kulturellen Zustand des Siedlungsgeländes Deutschland bedurft hätte, er wäre nun erbracht.

Опубликовано lyumon1834

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