
Mutwillig verteuert, unsicherer und dreckiger: Strom in Deutschland (Symbolbild:Imago)
Vier Monate nach der wahnwitzigen Abschaltung der drei letzten deutschen Atomkraftwerke ist Deutschland endgültig zum Stromimporteur geworden. Die paradiesischen Zeiten mit billigen Strompreisen, die die Grünen herbeiphantasiert haben, sind erwartungsgemäß ausgeblieben: Allein im Juli musste ein Rekordwert von 5.783,4 Gigawattstunden (!) aus dem Ausland bezogen werden. Das Export-Saldo lag letzten Monat bei 469 Millionen Euro. Das heißt konkret: Es gab mehr Import als Export; Deutschland musste 340 Millionen Euro draufzahlen. Der Exportpreis lag bei ganzen 38,60 Euro pro Megawattstunde (MWh), der Importpreis dagegen bei 97,20 Euro. Damit zahlt Deutschland rund 60 Euro mehr für ausländischen Strom, als umgekehrt dort für deutschen Strom gezahlt wird. Ein schlimmeres Totaldesaster ist nicht denkbar.
Wie immer bestreitet Bundeskanzler Olaf Scholz einfach, dass das Problem überhaupt existierte: „Jedes Jahr gibt es Phasen, in denen wir Strom aus anderen Ländern einkaufen“, erklärte in seiner schläfrig-bräsigen Arroganz und mit kaum verhohlenem, höhnischen Zynismus beim Erfurter Bürgerdialog am Donnerstag und erwies sich einmal mehr als mutmaßlich unaufrichtigster und unredlichster Politiker der Gegenwart. Scholz behauptete auch noch wahrheitswidrig, Deutschland sei nicht auf Import-Strom angewiesen. Die Gesamtbilanz sehe angeblich „ganz anders“ aus, da es ja noch Braunkohle als Ersatz gebe.
Deutschland macht sich immer abhängiger
Deutschland setze aber einfach lieber „auf Windstrom aus Dänemark und Atomstrom aus Frankreich“, weil der günstiger sei. Seine übliche Taktik, alles zu zerreden, wird diesmal bei den die längste Zeit für dumm verkauften Bürgern nicht mehr verfangen: Bei denen, die ihre Stromrechnung noch selbst lesen können, ohnehin nicht – und demnächst auch nicht mehr bei denen, die sie nicht mehr zahlen können.
Ifo-Präsident Professor Clemens Fuest prophezeit dann auch: „Die Import-Strategie wird uns noch auf die Füße fallen. Denn der Preis wird durch die Verknappung in Deutschland steigen und dadurch auch einen Effekt auf den europäischen Strommarkt haben.“ Da niemand Kohle als zukünftige Energiequelle wolle und andererseits “noch” nicht ausreichend Ökostrom zur Verfügung stehe, mache Deutschland sich immer abhängiger. Die europäischen Nachbarn hätten allerdings nur “begrenzt Lust, uns in den nächsten Jahren auszuhelfen“, gab Fuest weiter zu bedenken. Tatsächlich sorgt das völlig irrsinnige deutsche Verhalten schon lange politischen Konfliktstoff: Mit ungewöhnlicher Deutlichkeit kritisierte die französische Energieministerin Agnès Pannier-Runacher, es sei ein Widerspruch, massiv französische Atomenergie zu importieren und gleichzeitig jede EU-Gesetzgebung abzulehnen, die den Wert der Atomkraft als kohlenstoffarme Energiequelle anerkenne. Man kann Gift darauf nehmen, dass auch diese öffentlichen Mahnungen anderer Regierungen die Amokfahrt der gnadenlos auf Grün stehenden Ampel nicht aufhalten werden.
