
Seit dem Ausgang der Urgesellschaft erschüttert Krieg in blutigen Intervallen die Menschheit. Unter allem Unglück und jeglicher Heimsuchung, die von Menschen zu erleiden waren, wirkte der Krieg am furchtbarsten und verheerendsten. Troja und Marathon, Karthago und Cannä, Teutoburger Wald und Katalaunische Felder, Kreuzzüge und Dreißigjähriger Krieg, Austerlitz und Waterloo, Sewastopol und Sedan, erster und zweiter Weltkrieg heißen einige der Namen, mit denen er in die traditionellen Erinnerungen allein der Geschichte Europas eingebrannt ist. (Bild: zerschossene Bradley-Panzer der Nato in der Ukraine)
Ist der Krieg ein unabwendbares Schicksal?
Ein unauslöschliches Wundmal, so fraß er sich auch in das Angedenken der Völker und Nationen – ganz gleich, ob er in Triumph oder Schmerz, Heldenepos oder Klagelied, Siegesfeiern oder Volkstrauertagen, chauvinistischer Hybris oder nationalem Trauma fortlebt. Krieg bestimmte die Zäsuren der Macht, den Aufstieg oder den Sturz der Herrschenden. Krieg war der böse Zwillingsbruder der kühnen Entdeckung, die die Kolonialreiche begründen half, war das todbringende Schwert der zukunftsgerichteten Revolutionen, die gegen die Gewalt der Unterdrücker die Gewalt der Unterdrückten kehrten, war die zumeist unvermeidliche Waffe des Patriotismus, der nach nationaler Unabhängigkeit und Freiheit strebte. Für die Massen des einfachen Volkes war Krieg stets auch Inbegriff eines drohenden und vernichtenden Schicksals, wobei nicht in Abrede gestellt sei, daß sozialkritische Volksweisheit tiefer lotete. „Das Volk gründet und baut die Städte, die Torheit der Fürsten verwüstet sie wieder“, heißt es in einer alten Sprichwortsammlung.
Der Krieg und die Menschenrechte
„Der Krieg ist ein Streit unter Herrschern, der mit Hilfe von Waffen ausgetragen wird“, lautete der Definitionssatz des Artikels „Guerre“, der 1757 im siebenten Band der „Enzyklopädie“ Diderots erschien. [1] Die Verfasser dieses Epochenwerks begriffen sich selbst als „Lumieres“, Träger des „Lichts“, Verfechter der „Aufklärung“, in einem seit Renaissance und Reformation geschehenden Übergangsprozeß der Menschheit. Die erneuernde Kraft der Ver nunft, die die in der Natur begründete Gleichheit aller Menschen und Völker erkannt hatte, zielte auf eine rational geordnete Gesellschaft ab: Sie postulierte Verhältnisse, in denen „Leben“, „Freiheit“ und „Gleichheit“ einem jeden Individuum als „unveräußerliche Menschenrechte“ garantiert, aber auch die Souveränität der Völker gegen Angriffskriege und Eroberungen – die Willkürakte der Aggressoren – bewahrt sein sollten.
Ist der Krieg ein Naturgesetz?
Wer wollte bezweifeln, daß diese Weltverbesserer historische Optimisten waren? Und doch vermißt man die Gewißheit der Vernunft ausgerechnet dort, wo sie den Krieg interpretierten. …Stets hätten Menschen einander ausgeplündert und abgeschlachtet, und um dies auf möglichst sinnreiche Weise zu tun, seien Regeln und Prinzipien erfunden worden, die man „Kriegskunst“ nennt, so daß von ihrer Anwendung die Ehre und der Ruhm abhingen. …Man hat den Vernunftglauben der Aufklärung und der ihr anhängenden Verfechter des Fortschritts eine „heroische Illusion“ genannt. Diese mußte in der Großen Französischen Revolution von 1789 eine kritische Feuerprobe, in den Kämpfen des 19.Jahrhunderts eine radikale Entschleierung und Zersetzung erleiden. Das Reich der Vernunft, das im Ansturm gegen die überlebten Feudalregime verheißen worden war, entpuppte sich als das idealisierte Reich der nun herrschenden Bourgeoisie.
Der Frieden – eine Illusion?
Das weltbürgerliche Neuland der „Freiheit! Gleichheit! Brüderlichkeit!“ mit seiner proklamierten Interessenharmonie für alle Individuen, Klassen und Völker verengte sich zu den Hegemonialsystemen rivalisierender Bourgeoisien: Im Namen nationaler Autarkie und Vorherrschaft zogen sie als Eroberer über den Erdball. Gewiß hatten die Aufklärer diese Saat nicht streuen wollen. Ihr idealer Horizont, der sich bis zur Emanzipation des gesamten Menschengeschlechts spannte, endete nicht an den Interessensphären des kapitalistischen Unternehmertums. Jedoch ihre Illusion – oder vielleicht richtiger: ihre Utopie, daß eine freiheitliche Bürgerordnung und ein unbegrenzter Industriefortschritt das Glück aller Menschen bewirken könnten, verblaßte sichtlich in den 23jährigen Kriegen der napoleonischen Ära. Sie erlosch nahezu im Elend der arbeitenden Klassen und der ausgeplünderten Kolonialvölker. Sie erhob sich dennoch aufs neue in den geistigen, sogar blutigen Kämpfen für eine abermalige und bessere Revolution.
Der Siegeszug des revolutionären Denkens
Es war eine Umwälzung des weltpolitischen Denkens, als Marx und Engels in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Zentralideen des wissenschaftlichen Kommunismus hervorbrachten. Dies geschah in einer Staatenwelt, wo also schon die Bourgeoisie, zudem noch die spät- oder halbfeudale Aristokratie in den Sesseln der Macht thronten – wo aber die Industrielle Revolution auf ihrem grundstürzenden Siegeszug alle früheren Gesellschaftsformationen überwand, deren Lebensverhältnisse nur von Ackerbau und handwerklicher Produktion geprägt waren: Denn unaufhaltsam entstand nun die maschinell produzierende Gesellschaft des Industriekapitalismus.
Wie kann die Spaltung der Gesellschaft überwunden werden?
Unter dem Eindruck dieser welthistorischen Entwicklungstendenz – mit der Möglichkeit eines materiellen Auskommens für alle, jedoch der Wirklichkeit einer Klassenspaltung in wohlständische Kapitalisten und vegetierende Lohnarbeiter – begriffen die beiden revolutionierenden Theoretiker die Abschaffung jeglicher Ausbeutung als das Ziel der Menschheitsgeschichte. Die proletarische Revolution sollte das Mittel sein, um die Beziehungen der Individuen und der Völker letztendlich gerecht und friedvoll zu gestalten.
Was ist das Ziel der proletarischen Revolution?
Diese Revolution, die in der Aufhebung des Privateigentums an den Produktionsmitteln und der Errichtung einer „Gütergemeinschaft“ der arbeitenden Klassen an den Ergebnissen der gesellschaftlichen Produktion bestehen sollte, werde, so glaubten sie, als eine baldige Weltrevolution erfolgen:
„Die kommunistische Revolution wird … keine bloß nationale, sie wird eine in allen zivilisierten Ländern, d. h. wenigstens in England, Amerika, Frankreich und Deutschland gleichzeitig vor sich gehende Revolution sein … Sie wird auf die übrigen Länder der Welt ebenfalls eine bedeutende Rückwirkung ausüben und ihre bisherige Entwicklungsweise gänzlich verändern und sehr beschleunigen. Sie ist eine universelle Revolution und wird daher auch ein universelles Terrain haben.“ [2]
Gewalt – und die Gegengewalt der Unterdrückten
Diese sozialen Revolutionäre wünschten wohl, daß die Aufhebung des genannten Privateigentums auf friedlichem Wege gelänge. [3] Weil aber das Proletariat „in fast allen zivilisierten Ländern gewaltsam unterdrückt“ wurde, seien es gerade die jeweils herrschende Aristokratie und die Bourgeoisie, die durch ihre staatlich organisierte Gewalt die Gegengewalt der Unterdrückten – also die Revolution – herbeiführe. [4] Unter Verhältnissen eines mehr oder minder verdeckten Bürgerkrieges, wie er in den englischen Arbeiterkämpfen, den Lyoner und schlesischen Weberaufständen am krassesten sichtbar wurde, konnte von allgemeinmenschlicher Fraternität, auch von „Vereinigung und Verbrüderung der Nationen“ im Ernst nicht gesprochen werden.
Warum ist die Änderung der Eigentumsverhältnisse unumgänglich?
„Damit die Völker sich wirklich vereinigen können, muß ihr Interesse ein gemeinschaftliches sein. Damit ihr Interesse gemeinschaftlich sein könne, müssen die jetzigen Eigentumsverhältnisse abgeschafft sein, denn die jetzigen Eigentumsverhältnisse bedingen die Exploitation der Völker unter sich …“
So argumentierte Marx auf einer internationalen Kundgebung am 29.November 1847 in London gegen die Fraternitätsphrasen des britischen Manchestertums, um die zukünftige Befreiung der Völker von Ausplünderung, Krisen und Krieg mit der zukünftigen Befreiung des Proletariats zu verknüpfen.
„Der Sieg des Proletariats über die Bourgeoisie ist zugleich der Sieg über die nationalen und industriellen Konflikte, die heutzutage die verschiedenen Völker feindlich einander gegenüberstellen. Der Sieg des Proletariats über die Bourgeoisie ist darum zugleich das Befreiungssignal aller unterdrückten Nationen.“ [5]
Das Kommunistische Manifest
Dies war die bis dahin reifste Formulierung über den Zusammenhang zwischen proletarischer Revolution und allgemeinem Frieden – öffentlich ausgesprochen wenige Tage vor der Niederschrift des Manifestes der Kommunistischen Partei. Dortselbst lauten die klassischen Sätze, die die auf Abschaffung des Krieges gerichtete Revolutionsperspektive und menschheitsgeschichtliche Fernsicht darlegen:
„In dem Maße, wie die Exploitation des einen Individuums durch das andere aufgehoben wird, wird die Exploitation einer Nation durch die andere aufgehoben. Mit dem Gegensatz der Klassen im Innern der Nation fällt die feindliche Stellung der Nationen gegeneinander.“ [6]
Für eine friedliche Zukunft der Menschheit
Der Sieg der proletarischen Revolution im Weltmaßstab galt somit als Voraussetzung für eine friedliche Zukunft der werktätigen Menschheit. Im brodelnden Kessel der Revolutionsjahre 1848/49 kämpften Marx und Engels in Deutschland, wo eine bürgerliche Nationalrevolution noch immer vonnöten war, auf dem äußersten linken Flügel für eine einheitliche demokratische Republik. Wären die Marxisten so extremistische Revolutionäre und Katastrophenpolitiker, wie es die Kommunistenfresser seit jeher behaupten, so hätten sie geradezu auf Weltkrieg und Massenruin begierig sein müssen, um zur Revolution zu gelangen. Das ganze Gegenteil aber vertrat Friedrich Engels in den letzten Jahren seines Lebens:
Angesichts des drohenden Weltkrieges müßten die „Sozialisten in allen Ländern für den Frieden“ sein“ [7] denn sonst würden die Proletarier von den herrschenden Klassen gezwungen, „sich gegenseitig abzuschlachten“ [8]. Gerade sie seien es doch, die die größten Blutopfer und überhaupt „sämtliche Kriegskosten zu bezahlen“ hätten [9], Der Frieden ermögliche den Sozialisten in Deutschland vielleicht einen Sieg „in ungefähr zehn Jahren“, meinte Engels 1891. [10] Der Weltkrieg hingegen werde die Arbeiterklasse infolge seiner totalen Erschütterungen entweder in wenigen Jahren an die Macht bringen oder was ebenso wahrscheinlich sei – in den „vollständigen Ruin“ stürzen, wodurch sich die Revolution um Jahrzehnte verzögere. Gewiß bleibe nur, daß die kapitalistische Gesellschaft durch den Krieg „unmöglicher würde als je“.
Stand also die sozialistische Revolution nach wie vor im Mittelpunkt aller strategischen Überlegungen, so erschien doch ein Weltkrieg, den die Regierungen der herrschenden Ausbeuterklassen verschuldeten, keineswegs als der Preis, den dieser Klassiker des Marxismus für die Emanzipation des Proletariats zu zahlen wünschte.
Friedrich Engels: „Kann Europa abrüsten?“
Als Konsequenz seiner Erwägungen publizierte Engels im Jahre 1893 jene Antikriegsschrift, deren Titel und Inhalt uns Heutigen ungemein aktuell erscheinen muß: „Kann Europa abrüsten?“ Die machthabenden Regime und die bestehenden Staatenverhältnisse einstweilen akzeptierend, jedoch den Weltkrieg, den „allgemeinen Vernichtungskrieg“, als voraussehbare Folge des Wettrüstens prinzipiell ablehnend, versetzte sich Engels gewissermaßen in den Kopf eines rationalistisch denkenden Staatsmannes.
Er analysierte das Militärwesen Deutschlands, Österreichs, Italiens, Frankreichs, Rußlands und machte – in Kenntnis auch der Bestrebungen des bürgerlich-humanistischen Pazifismus – nun selbst das Angebot eines Reformprogramms. Dieses hätte helfen können, den gordischen Knoten der Weltkriegsgefahr zu durchschlagen: Auf der Basis internationaler Verträge sollten die Militärdienstzeiten gesenkt, die stehenden Armeen schrittweise abgeschafft und das Prinzip der allgemeinen Volksbewaffnung durch die demokratische Institution der Miliz verwirklicht werden. Die Funktionen der bewaffneten Staatsorgane sollten sich demnach beschränken auf innere Sicherheit und bloße Landesverteidigung…
Das ist eine deutliche Vorwegnahme der militärpolitischen Defensivkonzeption und Ablehnung eines jeden Angriffskrieges, wie sie von den Staaten des Warschauer Bündnisvertrages am 29. Mai 1987 erklärt worden war. …
Wachsende Vernichtungsgewalt des USA-Imperialismus
Was jedoch Engels überhaupt nicht voraussehen konnte, ist die Tatsache, daß nach zwei Weltkriegen von unvorstellbaren Ausmaßen und Vernichtungen dem „Militarismus“ noch keineswegs „ein für allemal ein Ende“ gemacht und daß gar ein dritter Weltkrieg noch immer „möglich“ ist – ein Exitus der Menschheit, von dem nicht mehr zu sagen bleibt, für wen er „arbeiten“ würde. Die von der Truman-Regierung der USA bewußt herbeigeführten Katastrophen in Hiroshima und Nagasaki eröffneten den verhängnisvollsten Vorgang der Menschheitsgeschichte: Alles Leben und Kämpfen, jede Art von Politik, erfolgt seit dem 6. und 9.August 1945 unter jener krebsartig wachsenden Vernichtungsgewalt, die mit dem allegorischen Begriff der „Bombe“ längst unzureichend benannt ist.
Je stärker der Sozialismus, desto sicherer der Frieden
Die Geschichte des Zerfalls der Antihitlerkoalition und des Kalten Krieges erweist, wie sehr das amerikanische Monstrum damals auch gegen die Sowjetunion und die Länder des entstehenden sozialistischen Weltlagers gerichtet war. Was wäre geschehen, wenn die Sowjetunion die Hölle von Hiroshima, von Nagasaki und die weitere amerikanische Nuklearrüstung nicht als eine auf sie zielende Drohung verstanden hätte – wenn sie nicht, nach schwersten Verlusten an Menschen und Produktivkräften im soeben erlittenen Krieg, zum ungemein kostenschweren Bau der Atombombe vorgeschritten wäre? – Die Werktätigen aller Länder, die auf dem historischen Weg zum Sozialismus waren oder unter der Herrschaft des Kapitals fortlebten, wurden objektiv um eine Hoffnung reicher, als am 29.August 1949, im Jahr der Gründung der DDR, die erste Versuchsexplosion einer sowjetischen Atombombe gelang. Das Atomwaffenmonopol der USA war gebrochen. Wohl plante eine Gruppe ihrer Militärs den atomaren Luftangriff gegen zahlreiche sowjetische Städte. Jedoch wegen einer möglichen Vergeltung durch die Sowjetunion wagte die amerikanische Regierung schon im 1950 ausbrechenden Korea-Krieg nicht mehr, ihre Atomwaffen einzusetzen.
Man hat einen Krieg, bei dem einzelne der damaligen Atombomben verwendet worden wären, strategisch noch immer mit dem Charakter und dem Zerstörungsgrad der sogenannten klassischen Kriege verglichen. Die Wirkung der Bombe von Hiroshima, gemessen an der Zahl der unmittelbaren Opfer, nicht an den Folgen der radioaktiven Verseuchung, schien noch eine gewisse Ähnlichkeit mit dem britisch-amerikanischen Großangriff auf Dresden in der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 zu haben. Doch die Entwicklung der neuen Waffentechnik, auf der Grundlage der ab 1945 wirkenden neuen Qualität der Weltpolitik und Militärstrategie, trieb zu weiteren, ungeheuren Wandlungen. Die Vernichtungskraft der Wasserstoffbomben-Sprengsätze, die bei den konträren Versuchsexplosionen von 1952 USA) und 1953 (Sowjetunion) gezündet wurden, waren rund tausendmal größer als die der bis dahin gebauten Atombomben.
Was sind die Folgen der Rüstungseskalation?
Die qualitative Rüstungseskalation hat sich fortgesetzt, ohne an Tempo zu verlieren. Es gibt heute strategische Raketen mit mehrfachen Nuklearsprengköpfen in großer Zahl, von denen eine einzige zehnmal soviel Sprengkraft mit sich führen kann, wie insgesamt im zweiten Weltkrieg eingesetzt wurde – einschließlich der Bomben von Hiroshima und Nagasaki. Der Physiker Frank Barnaby, ehemals Leiter des Stockholmer Internationalen Friedensforschungsinstituts (SIPRD), zählte 1982 etwa 52.800 nukleare Sprengköpfe mit einem Gesamtsprengsatz von 12 Milliarden Tonnen, was 1 Million Hiroshimabomben entspricht. [11]
- Wollten wir im Vergleich mit den beiden auf Japan geworfenen Bomben nur die damaligen 155.000 Soforttoten zugrunde legen, so würde die vernichtende Unmasse für 155 Milliarden Menschen ausreichen – wobei doch nur 5 Milliarden wirklich auf der Erde leben. Ein jeder weiß allerdings, daß selbst dieses makabere Zahlenspiel die Gefahr immer noch mangelhaft ausdrückt, weil radioaktiver Niederschlag und Strahlung dabei gar nicht in Rechnung gestellt sind. Hinzu kämen die schwer einschätzbaren Langzeiteffekte, die menschliche Erbschäden, globale Klimaveränderungen und Zerstörungen der erdschützenden Ozonschicht bewirkten.
- Selbst ein konventioneller Krieg würde in hochindustrialisierten Regionen der Erde eine massenvernichtende Wirkung erzeugen: Ist doch leicht auszudenken, welch ein Inferno durch den Einsatz moderner Artillerie, Raketen und Bombergeschwader gegen Großstädte, Atomkraftwerke, Chemie- und Baustoffindustrien, bio- und gentechnische Entwicklungszentren bereitet würde. Gemessen an den schlimmen Erfahrungen mitten im Frieden – an Tschernobyl, Seveso und Bophal – spricht man zu Recht von einer „Kriegsuntauglichkeit“ der heutigen komplexen Industriegesellschaften in beiden rivalisierenden Gesellschaftssystemen.
Ein Bündnis des Friedens
Das Risiko eines Weltkrieges und das Wettrüsten überhaupt abzuschaffen, war seit jeher das Bestreben der Sowjetunion, der mit ihr verbündeten Staaten der sozialistischen Völkergemeinschaft und nicht zuletzt der Deutschen Demokratischen Republik. Daher wendete sich die Politische Deklaration der Warschauer Vertragsmächte vom 4./5. Januar 1983 eindeutig gegen US-amerikanische Konzeptionen eines „begrenzten Atomkrieges“ und der damit verschwisterten nuklearen „Erstschlagsstrategie“: „Alle Erwägungen, einen Kernwaffenkrieg zu gewinnen, sprechen jeder Vernunft Hohn. In einem Kernwaffenkrieg, würde er entfesselt, kann es keine Sieger geben.“ [12]
[1] Krieg – Guerre (Naturrecht und Politik).Artikel aus der von Diderot und d’Alembert hrsg. Enzyklopädie. Ausw. u. Einf. von Manfred Naumann, Leipzig 1984, S. 514
[2] Friedrich Engels: Grundsätze des Kommunismus. In: MEW, Bd. 4, S. 374f.
[3] ebd. S. 372.
[4] ebd.
[5] Karl Marx: Rede auf dem Internationalen Meeting in London am 29. November 1847. In: MEW, Bd. 4, S.416.
[6] Karl Marx/Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei. In: MEW, ebd. S. 479.
[7] Friedrich Engels: Der Sozialismus in Deutschland. In: MEW, Bd. 22, S. 256.
[8] ders. (Brief an das Organisationskomitee des internationalen Festes in Paris) London, 13. Februar 1887. In: MEW, Bd. 21, S. 344.
[9] ders. Die politische Lage Europas. In: ebd. S. 318.
[10] ders. Der Sozialismus in Deutschland. In: MEW, Bd. 22, S. 256.
[11] Frank Barnaby: Die Gefahren des atomaren Wettrüstens. In: Frieden als Gegenstand von Wissenschaft. Hamburger Vorträge zur Friedensforschung, Frankfurt a.M. 1982, S. 16-34.
[12] Deklaration des Politischen Beratenden Ausschusses der Teilnehmerstaaten des Warschauer Vertrages, 4.-5. Jauar1983, Berlin 1983, S.8.
Quelle: Krieg oder Frieden im Wandel der Geschichte, Dietz Verlag Berlin, 1989, S. 5-16 (gekürzt)
Siehe auch:
Bandera-Faschist sagt über russischen Soldaten: «Ich bin kein Nazi, er ist einer» – Die Lüge vom „russischen Angriffskrieg“…
Krieg im Donbass (Einige Gedanken zu Ursachen und Hintergründen des imperialistischen Krieges in der Ukraine)
Sind Kriege unvermeidlich?

