Klassen und der Klassenkampf sind eine Realität

Für viele Menschen ist es schwierig, die unterschiedlichen, gesellschaftlich wirkenden Kräfte auseinanderzuhalten. Warum gibt es Kriege? Wer kämpft hier eigentlich gegen wen? Und wessen Interessen vertreten die einander bekämpfenden Seiten? Ist es das Geld, das bestimmt, was die Menschen zu tun und zu lassen haben? Oder sind es die Regierungen? Wird durch Parteien oder durch die Lobbyisten im Parlament die Politik eines Landes bestimmt? Oder sind es gar die Wahlen, mit denen die Menschen auf den Gang der Dinge Einfluß nehmen können? Alles falsch, sagt Lenin! Wenn man die wahren Ursachen geschichtlicher Veränderungen verstehen will, muß man die Produktionsverhältnisse in Betracht ziehen. Die Frage ist doch: In wessen Händen befinden sich die Produktionsmittel? Sicher wird es sich herumgesprochen haben, daß wir heute im Kapitalismus leben, wo sich die Produktionsmittel in den Händen einiger weniger Kapitalisten befinden! (Der oft verwendete Begriff „Marktwirtschaft“ ist irreführend und unwissenschaftlich!)

Schon vor fast 180 Jahren schrieb Karl Marx, dessen monumentale Statue in Trier zu bewundern ist: „Der Arbeiter ist zu einer Ware geworden, und es ist ein Glück für ihn, wenn er sich an den Mann bringen kann. Und die Nachfrage, von der das Leben des Arbeiters abhängt, hängt von der Laune des Reichen und Kapitalisten ab.“ Ferner: „Im verfallenden Zustand der Gesellschaft leidet der Arbeiter am schwersten.“ [1]

Was verstehen wir unter einer gesellschaftlichen Klasse?

Lenin erklärt: „Als Klassen bezeichnet man große Menschengruppen, die sich voneinander unterscheiden nach ihrem Platz in einem geschichtlich bestimmten System der gesellschaftlichen Produktion, nach ihrem (größtenteils in Gesetzen fixierten und formulierten) Verhältnis zu den Produktionsmitteln, nach ihrer Rolle in der gesellschaftlichen Organisation der Arbeit und folglich nach der Art der Erlangung und der Größe des Anteils am gesellschaftlichen Reichtum, über den sie verfügen. Klassen sind Gruppen von Menschen, von denen die eine sich die Arbeit der andern aneignen kann infolge der Verschiedenheit ihres Platzes in einem bestimmten System der gesellschaftlichen Wirtschaft.“ [2]

Welche Rolle spielt der Klassenkampf?

Alle entscheidenden Erfolge der Volksmassen wurden im Klassenkampf errungen. Im Ergebnis des Klassenkampfes entstand die Sowjetunion, entstand das sozialistische Weltsystem und das neue Kräfteverhältnis zwischen Sozialismus und Kapitalismus. Im Ergebnis des jahrzehntelangen Klassenkampfes brach das imperialistische Kolonialsystem zusammen und entstanden junge Nationalstaaten. Und im Klassenkampf wachsen die Kräfte des Friedens und geht der Prozeß der Isolierung der Kriegstreiber vor sich. Kein Wunder also, daß es Kräfte gibt, die die Volksmassen in Unwissenheit und Gehorsam halten wollen, um ihre Macht zu erhalten. Doch auch die einstweilige Niederlage des Sozialismus ist ein Ergebnis des Klassenkampfes.

Was ist das Ziel der gegenwärtig herrschenden Klasse?

Das Ziel der Imperialisten ist es, eine Wiederaufrichtung des Sozialismus mit allen Mitteln zu verhindern. Deshalb unternehmen die Ideologen des Finanzkapitals der BRD besondere Anstrengungen, das Klassenwesen des Staates zu verschleiern. Mit allgemeinen Phrasen von „Freiheit“ und „Demokratie“, mit ideologischen Ablenkungsmanövern wie der angeblichen Corona-„Pandemie“, der „Klimakrise“, des LGBT-„Theaters“, des Ukraine-Kriegs, des israelischen Völkermords im dichtbesiedelten Gazagebiet und dutzender anderer Provokationen versuchen die Imperialisten ihrer aggressiven Politik das Mäntelchen der Menschenliebe in Form einer „regelbasierten Weltordnung“ umzuhängen und den Sozialismus zu verleumden.

Der ideologische Klassenkampf

Für die Arbeiterklasse und alle am Frieden inter­essierten Kräfte ist es wichtig, sich von einer solchen Propagan­da nicht irritieren zu lassen. Solange noch Klassen und Klassen­gegensätze existieren, ist es unmöglich, ohne Klassenkampf die Interessen der Volksmassen zu verwirklichen. Gerade die Kräfte, von denen der Klassenkampf als Erfindung der Kommunisten be­zeichnet wird, führen mit allen Mitteln den Kampf zur Verwirk­lichung ihrer volksfeindlichen Interessen, wobei sie mit ihren „Theorien“ die Volksmassen bewegen möchten, sich der Reak­tion und den Kriegstreibern freiwillig zu unterwerfen.

Das bequeme Leben

Dem kommen oftmals die Vorstellungen politisch uninteressierter oder ausgesprochen kleinbürgerlicher Menschen entgegen, die den Klassenkampf als eine rohe Angelegenheit, als eine Kette von Gewaltakten betrachten. Sie träumen von einem schönen Leben und vom Frieden und glauben, das auch ohne Kampf erreichen zu können. In ihren Vorstellungen, wie das Leben sein müßte, stimmen sie mit den Bestrebungen der Arbei­terklasse überein, in ihren Auffassungen über die Mittel und Methoden zur Verwirklichung ihrer Vorstellungen kommen sie den Bestrebungen der Reaktion entgegen, die Volksmassen zu politischer Passivität zu verurteilen.

Ist es wahr, daß es heute keinen Klassenkampf mehr gibt?

Es gibt in größerem Umfang Versuche, auf etwas raffiniertere Art mit dem Klassenkampf fertig zu werden. Dazu gehört die „Theorie“, daß in den kapitalistischen Ländern infolge des indu­striellen Fortschritts die Gegensatzpole Proletariat und Bour­geoisie allmählich verschwänden und in einer „neuen Mittel­klasse“ aufgingen, die schließlich die ganze Gesellschaft erfassen werde. Auf diese Weise entstehe die klassenlose Gesellschaft, vorausgesetzt, daß dieser Prozeß nicht durch den Klassenkampf der Kommunisten „gestört“ werde.

Warum ist diese „Theorie“ falsch?

In diesen Auffassungen spukt die alte opportunistische Produktivkräftetheorie. Dieser Theorie zufolge führt die Ent­wicklung der Produktivkräfte automatisch, spontan zur klassen­losen Gesellschaft, ist die Entstehung materieller Voraussetzun­gen für den Sozialismus mit dem Sozialismus selbst identisch. Es wird negiert, daß die Grundlage für die Existenz von Klassen und ebenso für den Charakter einer Gesellschaftsordnung in den Produktionsverhältnissen zu suchen ist.

Was ist die Grundlage für die Spaltung der Gesellschaft in Klasse?

Unmittelbare Grundlage für die Spaltung der Gesellschaft in Klassen sind die auf dem Privateigentum an den Produktions­mitteln beruhenden Produktionsverhältnisse, ohne deren Ver­änderung eine Änderung der Klassenstruktur oder eine Aufhe­bung der Klassen nicht möglich ist. Unter den Bedingungen des Privateigentums an den Produktionsmitteln kann zwar die Ent­wicklung der Produktivkräfte zur Umwandlung einer Ausbeu­tungsform in eine andere oder, wie im Kapitalismus, zur Ent­wicklung kleiner Warenproduzenten zu Kapitalisten führen, aber eine Entwicklung zur klassenlosen Gesellschaft ist auf diesen Grundlagen unmöglich.

Warum kann es keine „Sozialpartnerschaft“ geben?

Die Aufhebung der Klassen erfordert die Beseitigung des Privateigentums an den Produktionsmitteln, den Sprung in eine neue Qualität, eine Revolution. Das zu verschlei­ern ist das Streben der Bourgeoisie. Doch keine Unterdrückung der revolutionären Arbeiterbewegung durch die imperialistische Bourgeoisie, keinerlei demagogische Losungen von „Auflösung der Klassenunterschiede“ und „Sozialpartnerschaft“ können den Klassenkampf aus der Welt schaffen; er ist da, er existiert mit den Klassen, die ihre gegensätzlichen Interessen nicht anders als im Kampf durchsetzen können.

Das Kriterium der Wahrheit ist die Praxis

Die Tatsache bestätigen die von den Marxisten seit langem gegebene Antwort: Alles hängt davon ab, daß die Volksmassen selbst Politik machen, daß sie selbst ihre Geschicke bestimmen und die Macht in die eigenen Hände nehmen – so wie es in der DDR geschah. Diese Erkenntnis und die Verwirklichung dieser Erkenntnis muß sich durchsetzen im Kampf gegen die Kräfte des Krieges, die mit allen Mitteln bemüht sind, den Volksmassen (im wahrsten Sinne des Wortes!) das Gefühl der Ohnmacht einzuimpfen. Das Wesen des Antikommunismus ist die Lähmung der Kraft der Volksmassen, um sie als willenloses Objekt in den Dienst des Imperialismus und des Krieges zu stellen.

Ein wesentliches Element bei der Überwindung des Revisionismus ist die Rückbesinnung auf die Erfahrungen im Klassenkampf in der Sowjetunion unter der Führung von J.W. Stalin und das Zustandekommen einer Aktionseinheit der deutschen Arbeiterklasse unter Führung einer marxistisch-leninistischen Partei. Beim Kampf um den Frieden im Bündnis mit allen fortschrittlichen Kräften und bei der Wahrnehmung ihrer Interessen zur Schaffung einer gerechten, von Ausbeutung freien Gesellschaft wächst schließlich auch das Klassenbewußtsein der Arbeiterklasse.


Warum ist revolutionäre Wachsamkeit so nötig?

Für das richtige Verständnis des Problems der Verschärfung des Klassenkampfes hat Lenin die grundlegenden Hinweise gegeben, die in ihrem wechselseitigen Zusammenhang betrachtet werden müssen. Lenin stellte fest:

„Je stärker der Druck der unterjoch­ten Klassen ist, je näher sie dabei sind, jedes Joch, jede Aus­beutung abzuschütteln, je entschiedener die unterdrückten Bauern und unterdrückten Arbeiter ihre Initiative, ihre selbständige Initiative entfalten, desto wütender wird der Widerstand der Ausbeuter.“[3]

Mit dieser Feststellung weist Lenin die Arbeiter­klasse darauf hin, daß die Fortschritte des Sozialismus nicht zum Einschlafen des Widerstandes der Ausbeuter führen, sondern daß die Bourgeoisie beziehungsweise Teile der Bourgeoisie die An­strengungen zur Restauration des Kapitalismus vervielfachen. Darum darf die Arbeiterklasse angesichts der Erfolge ihres Kampfes nicht in der Wachsamkeit nachlassen.

Welche Vorteile hat die Ausbeuterklasse im Klassenkampf?

Lenin hat aber nicht nur auf diesen wichtigen Zusammenhang aufmerksam gemacht, sondern gleichzeitig auch darauf, daß die Steigerung des Widerstandes der Ausbeuter gegen den Sozia­lismus und ihre Machenschaften zur Verschärfung des Kampfes nicht durch den Wunsch oder Willen der Ausbeuter allein wirk­sam werden, sondern daß zur Realisierung dieses Willens auch bestimmte Möglichkeiten vorhanden sein müssen. Lenin hat diese Möglichkeiten ausführlich analysiert und deutlich gemacht, wie sehr sie im jeweiligen Kräfteverhältnis begründet liegen und daß sie demzufolge veränderlich sind. Er wies darauf hin, daß die Ausbeuter „eine Reihe von Jahren hindurch große tat­sächliche Vorteile gegenüber den Ausgebeuteten bewahren.“ [4]

  • Den Ausbeutern bleiben ihre internationalen Verbindungen,
  • ihnen bleibt noch das Geld,
  • es bleiben ihnen gewisse, oft be­deutende Mobilien,
  • die Routine in der Organisation und Ver­waltung,
  • die Kenntnis aller „Geheimnisse“ der Verwaltung,
  • es bleibt ihnen die höhere Bildung,
  • die nahe Fühlung mit dem (bürgerlich lebenden und denkenden) leitenden technischen Personal,
  • es bleibt ihnen die Routine im Militärwesen;
  • die Macht, die die Ausbeuter noch behalten,
  • besteht auch in der Macht der Gewohnheit und in der Stärke der Kleinproduktion, die immer wieder Kapitalismus hervorbringt. [5]

Warum ist auch der Revisionismus so gefährlich?

Wie schon an anderer Stelle dargelegt, zählte Lenin zu diesen Möglichkeiten auch den Re­visionismus als einen unmittelbaren Stützpunkt der Ausbeuter für konterrevolutionäre Bestrebungen. Solange solche Quellen noch bestehen und solange noch ein absolutes Wachstum der Produktion des Privatsektors vor sich geht, besteht noch die Möglichkeit zu Verschärfungen des Klassenkampfes in der Über­gangsperiode.

Wann verschärft sich der Klassenkampf?

In der Nutzung dieser Möglichkeiten durch die Ausbeuter im Interesse des Kapitalismus liegt die Ursache von Verschärfun­gen des Klassenkampfes. Wenn Lenin darauf aufmerksam machte, daß die Bourgeoisie meistens dann bestrebt ist, ihre restaurativen Bestrebungen zu verschärfen, wenn die Arbeiter­klasse und die mit ihr verbündeten Massen einen Schritt vorwärts tun, so bedeutet das nicht, daß im Kampf der Arbeiterklasse die Ursachen für Verschärfungen des Kampfes liegen. Nur wenn die Arbeiterklasse durch konterrevolutionäre Bestrebun­gen und Machenschaften dazu gezwungen wird, geht sie auch zu weniger friedlichen Formen des Kampfes gegen den Feind über.

Was ist die Ursache für die Verschärfung des Klassenkampfes?

Daß die inneren Ursachen der Verschärfung des Klassenkamp­fes bei jenen Kräften liegen, die den historischen Fortschritt auf­zuhalten suchen, die nicht in der Lage sind, die Massen von ihren Zielen zu überzeugen, und darum ständig zum Terror grei­fen, um die Interessen einer Minderheit durchzusetzen, darauf hat Lenin ebenfalls in verschiedenem Zusammenhang nach­drücklich hingewiesen. So sagte er auf dem VIII. Parteitag der KPR (B):

„Ihr seid daran schuld, ihr Herren Kapitalisten. Hättet ihr nicht einen so wütenden, sinnlosen, frechen, erbitterten Widerstand geleistet, hättet ihr nicht ein Bündnis mit der Bourgeoisie der ganzen Welt geschlossen, dann hätte der Umsturz friedlichere Formen angenommen.“ [6]

Literatur:
Hans Kölsch: Zur Dialektik des Klassenkampfes in Deutschland. Dietz Verlag Berlin, 1961. (bearbeitet)
Zitate:
[1] Karl Marx: „Ökonomisch-philosophische Manuskripte aus dem Jahre 1844“. In: Marx/Engels: Werke, Dietz Verlag Berlin, Bd. 40.
[2] W.I. Lenin: Die große Initiative. In: W.I. Lenin, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1984, Bd. 29, S. 410.
[3] W.I. Lenin: Bericht über die gegenwärtige Lage auf der IV. Konferenz der Gewerkschaften in der Betriebskomitees Moskaus. In: W.I. Lenin, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1984, Bd. 27, S. 465.
[4] W.I. Lenin: Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky. In: W.I. Lenin, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1984, Bd. 28, S. 252.
[5] W.I. Lenin: Der „linke“ Radikalismus, eine Kinderkrankheit im Kommunismus. In: Dietz Verlag Berlin, 1984, Bd.31, S. 8.
[6] W.I. Lenin: VIII. Parteitag der KPR(B). Bericht über die Arbeit auf dem Lande, 23. März 1919. Werke, Bd. 29, S. 198.

Опубликовано lyumon1834

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