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3. November 2023
Liebe Leserin, lieber Leser!

Es ist dringend notwendig und richtig, wenn in einem diese Woche veröffentlichten Video auf „X“ Robert Habeck „einige Gedanken“ zur Sicherheit Israels und der deutschen Staatsräson äußern und mit seiner „Einordnung und Differenzierung“ als Wirtschaftsminister für Klarheit sorgen möchte. Habeck erinnert dabei jedoch an einen biederbraven Bürger, der versucht, das ererbte Aktiendepot seiner Familie umzuschichten, um das Vermögen in der Krise durch antizyklische Investments noch zu retten, aber damit im Ansatz scheitert. Denn er hat schlicht zu spät angefangen. Die alten Investments sind bereits zu schwer angeschlagen. 

Der brave Mann will nicht wahrhaben, dass er das Depot sich selbst überlassen hatte – vielleicht im falschen Glauben, der Markt würde es schon regeln und irgendwann wären auch noch Dividenden und Gewinne aus faulen Werten einzustreichen. Dieses moralische Depot der linksgrünen Regierungsparteien ist aber massiven Verlusten ausgesetzt. Es enthält toxische Werte. Darum geht es dem Wirtschaftsminister auf „X“.

Habeck wird häufig nachdenklich, wenn die Unwägbarkeiten der Zeit seinem Ministeramt Steine in den Weg legen, deren Größe und Gewicht er und seine Partei einst mitbestimmt haben. Dann versucht er, Vertrauen zurückzugewinnen und investiert in Krawatte, überlegte Wortwahl und Nachdenklichkeit, versucht das grünmoralische Depot, dessen Kurse ins Bodenlose fallen, umzuschichten – denn er hat bemerkt, dass die Parteifamilie in der Vergangenheit auf jene toxischen Investments gesetzt hat, die bald den Bestand des ganzen Depots gefährden.  Linksgrüne Moral, keine Anlageempfehlung.

Mutter Courage der Palästinenser-Besorgtheit

Aber das grüne Moral-Depot hat bereits zu viel an Wert verloren und der brave Habeck hat den richtigen Zeitpunkt für dessen „Differenzierung“ einfach verpasst. Die Investments „Menschengeschenke“, „Deutscher Klimaschutz“, „Infrastruktur Heizungswende“ gingen schon in die Hose, nun sorgt auch noch die „Klima-Säulenheilige“ Greta mit ihren antisemitischen „Futures“ für Unruhe auf den sicher geglaubten Moralbörsen des grünen Utopismus und zerschießt das topsichere Anlagekonzept „Klimagerechtigkeit“.

In Wahrheit haben die grüne Partei und die linken Genossen zu lange in Antisemitismus investiert, der an den populistischen Börsenplätzen „Israelkritik“, „BDS“, „Antiimperialismus“ und „islamische Zuwanderung“ frei und unbedenklich gehandelt wurde. Nun stellen sich diese „Investments“ als hochgradig volatil und toxisch heraus, der Ausstieg ist mit starken Reputations-Verlusten behaftet. Aber Habeck versucht zu retten, was zu retten ist. Das ist – ganz unironisch gemeint – honorig. Mehr aber auch nicht. 

Die Grünen und Linken (SPD natürlich eingeschlossen) haben den „berühmten“ Anfängen nicht gewehrt, sie haben sie oft genug gefördert. Claudia Roth, die Mutter Courage der grünen Palästinenser-Besorgtheit, hat an Schamlosigkeit kaum etwas ausgelassen, was ihre antiisraelische und damit antijüdische Haltung offen zur Schau stellte. Am Ende hat sie noch Kunst daraus machen lassen. Habeck muss Verluste realisieren, wenn er das toxische Derivat Claudia Roth „einordnet“. Keine schöne Aufgabe, zumal eine mit falscher Priorität in den Augen vieler seiner Parteigenossen.

Historischer Flurschaden, grüne Mittäterschaft

Robert Habeck ist ein tragikomischer Antizykliker. Er leidet darunter, mit seiner frommen Anwesenheit eine Form von Irrsinn zu vollenden, in die bald nur noch elitär „denkende“ Abgedrehte und Krisengewinnler investieren möchten (14 Prozent, Infratest dimap, 2.11.2023). Das scheint ihm, dem Intellektuellen unter den grünen Bildungsimprovisateuren, an der Bruchstelle historischer Ereignisse immer wieder zu Bewusstsein zu kommen. Dann beginnt er selbstkritisch zu räsonieren, wenn beispielsweise das Heiz-Gas knapp wird, weil der Russe den Ukrainer überfällt, oder wenn Antisemiten Juden abschlachten und dies auf unseren Straßen gefeiert wird – wenn grüne Politik sich also nicht nur als Ökodorf, Weltrettung und Friedensbotschaft verkünden lässt, sondern sich zunehmend als historischer Flurschaden, grüne Mittäterschaft und Zynismus manifestiert und aufdrängt. 

Die Grünen liefern gerne Werte, Worte und auch Waffen auf die „richtige“ Seite der (Meinungs-)Fronten, sie schießen scharf und kennen keine weltanschauliche Gnade. Am blutigen „Gaza-Hamas-Narrativ“ wird es Habeck jedoch gewahr, dass solche Selbstgefälligkeit durchaus moralische Trugschlüsse und politische Lügen hervorbringt, die den republikanischen Gründungsmythos als Schuldeingeständnis und deutschen Treueschwur gegenüber Israel seinem diametralen Verrat aussetzen. Er stellt das auf „X“ klar und benennt das verräterische Prinzip der Altvorderen, die nicht nur „rechts“, sondern auch in seinen eigenen Reihen herumlungern. 

Die beflissenen „Pali-Tuchträger:innen“ und „Migrationsexperten“ kennt man, auch ihren latenten oder verstiegenen Antisemitismus. Solche Hassproduzenten sitzen in seiner Partei, den Medien und der „Zivilgesellschaft“, auch bei den heiliggesprochenen Jüngern von „Fridays for Future“ und in den propalästinensischen Komitees mit ihren Fürsprechern, die jene gern beklagte bürgerliche, „Islamophobie“ als Sichtschutz vor der eigenen Judaphobie aufbauen. Ferda Ataman und Lamya Kaddor (Grüne) verschanzen sich auch gern dahinter.

Antizykliker Habeck zu spät aufgewacht

Robert Habeck vertrat als grüner Wirtschaftsminister oft genug das Falsche mit einer Absolutheit, als sei es das unantastbar Richtige. Als deutscher Staatsmann vertritt er nun in einem Video auf „X“ das Richtige zum viel zu späten Zeitpunkt. Als böte sich noch eine entscheidende Kehrtwende: für die deutsche Gesellschaft, in der Migrationsdebatte, für Israel und den fehlgeleiteten Tross seiner eigenen Partei. Währenddessen können Juden in Deutschland nicht mehr offen mit Davidstern, Kippa und Israelflagge herumlaufen, ohne Gefahr zu laufen, tätlich angegriffen zu werden. Diese Entwicklung hat sich nicht erst kürzlich ergeben.

Habeck sagt das Richtige, obgleich er ein Grüner, Verblendeter, Mitverursacher des Abstiegs ist. Er zeichnet verantwortlich für den Niedergang einer Volkswirtschaft und für den Niedergang der moralischen Kultur, den die Grünen mitbetrieben haben. Also liest er nicht nur seiner Partei die Leviten in Sachen Antisemitismus-Abwehr als deutsche „Staatsräson“: Gegenüber rechts, links, grün und gegenüber den Moslems – in Deutschland und überall da, wo man auf der Welt den Staat Israel und die Juden vernichten will.

Tragikomischer geht es kaum: Welche so wichtige „Staatsräson“ verleitete den grünen Habeck dazu, mit der Kritik am praktizierten Antisemitismus der Linken und seiner Grünen so lange gewartet zu haben, bis Tausende Opfer zu beklagen waren? Wo bleibt diese „Staatsräson“, die keine „Leerformel“ sein soll, bei all den anderen Themen, dem klima-monetären Ausbeinen der Mittelschicht und der grassierenden Armutsbeschleunigung durch „Energiewende“, Inflation und Arbeitsmarktverwerfungen – alles Ergebnisse seiner direkten Einwirkung als Wirtschaftsminister? Der Antizykliker Habeck ist zu spät aufgewacht: Man hört schon die Magenwinde im grünen Parteiorgan rumoren und fragt sich, wann der antiisraelisch motivierte Parteiappart wohl Luft ablassen muss.

Robert Habecks „Rede zur Nation“ auf „X“ zeigt einen Menschen, der durchaus glaubhaft die Sicherheit Israels anmahnt. Man kann feststellen, dass seine ablehnende Haltung in Bezug auf gesellschaftlich „geduldeten“, „neuen“ Judenhass auch den „importierten“ Antisemitismus meint, der in Deutschland nicht erst seit gestern massenhaft von Muslimen ausgeht und von vielen ihrer Verbände offen gebilligt wird. Habecks Erinnerung an die deutsche „Staatsräson“ lässt kaum eine sonst so übliche, linksgrüne Nebelbank stehen, in deren Schutz man in der Vergangenheit an Gazas Gestaden den palästinensischen Antisemiten Geldgeschenke für direkte Terrorfinanzierung überbrachte oder in Teheran Deals einfädelte, die dem ehrgeizigen Atomstaat in spe bei seinen Endlösungsträumereien behilflich sein konnten. 

Unterschied zwischen Barbarei und Notwehr

Aber was hilft solche deutsche, ehrliche „Staatsräson“ im Nachgang einer jahrelang betriebenen Staatsräson als fadenscheinige Attrappe, mit der man den Feinden der Juden und Israelis den Hof machte? Was hilft das Aufmerken der Staatsräson als abendliches Dämmerungsleuchten, wenn man den Tag verschlafen hat und nun das Licht fehlt, um den richtigen Weg noch zu finden? Den Linken und Grünen wollte es eben lange Jahre nicht einleuchten, was ihre Form von klandestinem Antisemitismus hervorbrachte, wo in Antifa-Kadern oder grünen „israelkritischen“ BDS-Zirkeln ein antikapitalistischer, antiimperialistischer, antikolonialistischer Antizionismus gepflegt wurde, dessen Wortvernebelung den mittransportierten „beherzten“ Antisemitismus der grünlinken Nomenklatura wundersam zum Gutmenschentum veredelte. 

Die Juden, die dem Holocaust zum Opfer gefallen sind, gelten nach dieser Lesart als gute. Die Juden in Israel, die dort leben, um nie wieder millionenfache Opfer zu werden, sind in Ausübung ihres Existenzrechts aber nicht so willkommen, wie die toten. Das wieder beliebte antisemitische Motiv: Der Jude als Täter.

Mit dem 7. Oktober sitzt der Schock tief und die moralische Nebelbank über der Hamas-Hochburg hat sich gelichtet, Linke und Grüne können nicht mehr verbergen, was sie da gutgeheißen haben. Nun fängt das Schlingern um die Verantwortung und „Angemessenheit“ an. Habeck hat sich diesem Dilemma entzogen, indem er sich vor diese Kulisse gestellt hat und mit der Staatsräson argumentierte. Aber die Parteigranden werden es ihrem „Aushängeschild“ übelnehmen. Warten wir ab, bis Israel die Hamas vernichtet hat und zahlenmäßig dabei mehr (zivile) Opfer zu beklagen sind als durch die Massaker des 7. Oktober auf israelischer Seite. Aufgerechnete Todesopfer sind eine beliebte populistische Nummer, um den ethisch-moralischen Unterschied zwischen Barbarei und Notwehr aufzulösen. 

Komisch, in Verteidigungskriegen, die Israel führen muss, ist diese Aufzählerei immer relevant. Deutsche Medien tun so, als gäbe es eine alttestamentarische Pflicht der Juden „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, die es für andere Nationen im Verteidigungsmodus offensichtlich nicht gibt. Wer den in die Tat umgesetzten Vernichtungswahn der Terroristen mit dem israelischen Recht auf Selbstverteidigung aufwiegen möchte, ist im Ansatz falsch: Israel wird ja nicht erst seit dem 7. Oktober von den palästinensischen Terroristen heimgesucht. Die Raketen fliegen seit Jahren und zu Tausenden. Wenn Israel in Zukunft seine Ruhe haben will, muss es die Hamas (und die Hisbollah) komplett besiegen. Ab einem bestimmten Punkt kann niemand mehr dauerhaft Rücksicht auf Geiseln nehmen, hinter denen sich Terroristen und Schurken verschanzen. Dieses Dilemma hat sich für die Israelis immer als tödliches Hemmnis erwiesen, besonders wurde das in diesem Oktober offensichtlich.

Ihnen ein schönes Wochenende!

Ihr

Fabian Nicolay
Herausgeber Achgut.com

Опубликовано lyumon1834

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