
Die “Süddeutsche Zeitung” (SZ), von bösen Zungen mittlerweile schon mal als “Süddeutscher Beobachter” tituliert, hat sich innerhalb von 15 Jahren von einer einst angesehenen Tageszeitung zu einer Propagandapostille gewandelt. Wenn man die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” (FAZ) und den “Spiegel” betrachtet, so stellt diese Entwicklung im Mediensumpf des Neuen Deutschlands durchaus kein Einzelschicksal dar; noch dazu war bei FAZ und “Spiegel” die Fallhöhe deutlich größer.
Auch wenn die SZ zuvor schon mit dem notorischen Transatlantiker Stefan Kornelius und den Haus- und Hofbiografen Merkels, Evelyn Roll und Wolfgang Stock, bestückt war, ist festzustellen, dass sich die Schlagseite seit der Übernahme durch die Medien Union GmbH Ludwigshafen deutlich verstärkt hat. Früher hieß dieses Unternehmen schlicht Rheinpfalz Verlag und gab die Tageszeitung gleichen Namens heraus. Hinter der Medien Union steckt die Verlegerfamilie Schaub mit Nebenzweigen. Über Anteile beherrscht die Medien Union indirekt auch die “Stuttgarter Nachrichten” und die “Stuttgarter Zeitung”. Diverse andere Unternehmen, von der “Freien Presse” in Chemnitz über den Westermann Schul- und Bildungsverlag bis hin zu “Radio Rockland” gehören zum Konglomerat.
Gut geschmierte Systemmedien
Wer verstehen will, warum unsere Systemmedien so gut geschmiert funktionieren, der sollte wissen, dass diese Systemmedien nicht immer auf den Namen “Systemmedien” hörten, sondern einstmals “Lizenzmedien” waren – und dass diese “Lizenzmedien” ihre Lizenzen nach dem Krieg von den vormaligen westlichen Siegermächten erhalten haben. Die Westalliierten schufen in den ersten Nachkriegsjahren einen Oligopol von ihnen gewogenen Zeitungshäusern, die im Sinne der neuen Machthaber berichteten. 1945 wurde so in der französische Besatzungszone die “Rheinpfalz” gegründet, 1947 in der britischen Besatzungszone der “Spiegel” und 1946 die “Welt”. Auch die SZ wurde auf diese Weise aus der Taufe gehoben. Redaktionsräume und Druckerei wurden von den “Münchner Neuesten Nachrichten” übernommen, einem gleichgeschalteten früheren Systemmedium des Hitler-Regimes.
Wegen des Oligopolcharakters der deutschen Medienlandschaft jener Zeit wurde die Lizenz zum Drucken bald auch eine Lizenz zu Gelddrucken. Die Vermögen der Springers, Augsteins und Mohns wurden in diesen Zeiten begründet. Aber auch die Familie Schaub nagt nicht am Hungertuch; mehrere hundert Millionen dürften es schon sein, die die Familie über die Jahrzehnte angehäuft hat. Ihre goldene Nase nimmt die Familie Schaub offenbar bis heute als Verpflichtung wahr, immer schön den Regierenden nach dem Mund zu schreiben. Was es zu bedeuten hat, dass Helmut Kohl einmal verlauten ließ, dass es “die angedeutete besondere Beziehung zu den Herren Schaub nicht gab und gibt“, mag sich jeder selbst denken.
Er(he)bliche Monopolrenten
Josef Schaub, Großvater des heutigen Chefs der Medien Union Thomas Schaub, war ab den 1920er Jahren für die “Neue Pfälzische Landeszeitung” tätig, einer katholisch geprägten Zeitung, die 1936 von den Nazis eingestellt wurde. Schaub war dort zum Schluss stellvertretender Geschäftsführer und erhielt zunächst ein Berufsverbot. 1939 wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Allerdings war er ab 1941 freigestellt und war dann bis 1944 für die “Saarländische Tageszeitung” tätig. Wie das dazu passt, dass Josef Schaub sich angeblich mit den Nazis nicht eingelassen hat, wie die Hauspostille “Rheinpfalz” schreibt, dürfte ein gut gehütetes Geheimnis der Familie Schaub sein. Dass Schaub 1941 für eine lediglich belanglose Tätigkeit bei jener Tageszeitung vom Kriegsdienst freigestellt wurde, ist jedenfalls mehr als unrealistisch. Wahrscheinlicher ist, dass er dort im Sinne des Regimes redaktionell tätig war, während viele seiner Kameraden an der Front starben. Das ist aber nicht weiter schlimm: Auch Axel Springer kämpfte schließlich jahrelang heroisch in seiner Redaktionsstube an der Heimatfront, da er ja bekanntermaßen kriegsuntauglich war.
Josef Schaub mag zusätzlich zu der ihm nach Kriegsende von den Alliierten überlassenen Lizenz auch durchaus vorhandenes unternehmerisches Talent eingesetzt haben, denn der Betrieb war in den Nachkriegsjahren sicher nicht einfach zu führen. Die beträchtlichen Vermögen vieler dieser Lizenzverleger lassen allerdings darauf schließen, dass die Monopolrenten erheblich – und erblich – waren.Werbung
Abschiedsparty auf dem Hambacher Schloss
In den letzten Jahrzehnten, als bereits Enkel Thomas die Geschäfte führte, war das redaktionelle Niveau der “Rheinpfalz” mindestens dürftig. Besonders nach 2015 hat sich Chefredakteur Michael Garthe mit üblen Tiraden in den Chor der hassenden Gutmenschen eingereiht, der die Republik inzwischen rund um die Uhr, sieben Tage die Woche aus Funk, Fernsehen, Online- und Printmedien dauerberieselt. Das redaktionelle Niveau der “Rheinpfalz” war, als sich Garthe vergangenen Sommer als dienstältester deutscher Tageszeitungs-Chefredakteur in den Ruhestand verabschiedete, gleichsam am Erdmittelpunkt angekommen: Unterirdischer geht es nicht.
Überaus aufschlussreich war die Abschiedsparty, die die “Rheinpfalz” für ihren langjährigen Chefpropagandisten schmiss: Es handelte sich um eine Art mittsommerlicher Almauftrieb ausgefranster Politiker samt ihrer medialen Entourage. Wie einst an längst verblichenen Herrschaftssitzen, fehlten auch die spirituellen Lokalhirten beider Konfessionen nicht. Alleine eine Iman hätte noch gut in die illustre Sommerrunde gepasst; aber das wird schon noch. Zu empfehlen wäre hier der Landauer Boxer und “Theologe” Diyab Dabschah, den die “Rheinpfalz”-Lokalredaktion Landau in zahlreichen Beiträgen wohlwollend als gut integrierten Moslem präsentierte. Im letzten Sommer lud der zweifach verheiratete Vater, dessen eine Frau – Tochter eine Landauer Rechtsanwalts – vollverschleiert durch die Gegend läuft, Pierre Vogel zum Vortrag im unterirdischen Gebetsraum ein. Gleich neben dem Hauptbahnhof gab es für die ausschließlich männlichen Anwesenden salafistische Erbauung.
Auf redaktionellem Blindgang
Anwesend auf der launigen Auskehr Garthes auf Schloss Hambach war auch der pensionierte Landesvater Kurt Beck, der am Nürnburg-Ring hunderte Millionen versenkt hat, ebenso wie der frühere Chefredakteur des ZDF, Peter Frey, mit dem Garthe einst in Mainz studiert hat. Bezeichnend ist, dass der feierliche Bericht dieser Sause elektronisch nur am Centrum für angewandte Politikforschung (CEP) der Münchner Ludwig Maximilians Universität verfügbar ist. Das CEP ist so etwas wie die Geldannahmestelle von Professor Werner Weidenfeld, so könnte man zumindest mit etwas Phantasie die Selbstdarstellung als “Dach praxisorientierter Drittmittelforschung” deuten. Werner Weidenfeld ist ein wichtiger Kontaktmann, der sowohl mit dem Kanzleramt in Bonn als auch mit dem in Gütersloh (Bertelsmann) über Jahrzehnte hinweg eng verbunden war. Auch Merkel hat er immer zuverlässig Rückenwind zugefächelt. Und nun war auch er auf der Party von Garthe.
Nicht nur das Ludwigshafener Stammblatt ist seit Jahren auf redaktionellem Blindgang; auch die Münchner Filiale SZ erzielt mittlerweile regelmäßig Eigentore mit ihrem stümperhaftem Kampagne-Journalismus. Just am Wochenende sah es danach aus, dass sich eine ihrer Agitprop-Redakteurinnen mutmaßlich in die ewigen Jagdgründe verabschiedet (und dabei für ihren Übertritt den prestigeträchtigen Ort Braunau am Inn gewählt) hätte. Geklappt hat das am Ende glücklicherweise nicht.
Das “Informationszölibat”
Von den beiden Stuttgarter Monopolblättern kann man nicht viel besseres berichten: Auch dort beschränkt man sich bei der Einteilungen politischer Akteure auf die schlichten Kategorien Gut und Böse. Diverser wird’s nicht. Für die Vorabkritik einer Lesung Mitte Januar in Stetten im Remstal spendierte man fast eine Seite – gleich viel wie für den spektakulären Protest tausender Bauern auf den Cannstatter Wasen – und zog zur Absicherung der antisemitischen Witterung den hinlänglich bekannten “Experten” Michael Blume hinzu. An der fraglichen Lesung, die man als antisemitisches Gruselkabinett beworben hatte, nahm dann niemand aus der Redaktion teil.
Hinter all dem steht die nette Familie Schaub. Der scheidende Garthe pries Enkel Thomas als “Hüter der Qualität“. Einem verblendeten Leser sei es gegönnt, hier eher einen Verhüter von Qualität zu erkennen. Der Rest ist Schweigen – zumindest wenn es um Interna von Unternehmen und Familie geht. Ein Öffentlichkeitsarbeiter des Verlags wird in den 1980er Jahren hierzu mit einem Satz zitiert, der auf die spirituellen Wurzeln von Josef Schaub hinweist: “Schon seit Jahren leben wir in einem Informationszölibat, mit dem wir gut gefahren sind.” Das Motto könnte auch auf die gesamte Redaktionsarbeit der beherrschten Zeitungen bezogen sein: Bloß keine befruchtende Information fürs tumbe Volk… und immer schön politisch korrekt!
