Erstellt am 4. August 2023 von

Eine möglichst genaue wissenschaftliche Voraussicht ist zusammen mit der wissenschaftlichen Erkenntnis außerordentlich wichtig, um die Ziele der menschlichen Tätigkeit in den verschiedenen Bereichen bestimmen zu können. In der Festlegung von Zielen, in der Setzung von Zwecken besteht eine weitere Aufgabe des Bewußtseins. Das gilt für jede bewußte Handlung des Individuums ebenso wie für die Tätigkeit gesellschaftlicher Gruuppen, Organisationen oder der gesamten Gesellschaft. Eng verbunden damit ist eine weitere Funktion des Bewußtseins, die darin besteht, für das gesetzte Ziel eine entsprechende Strategie des Handelns auszuarbeiten.
Bei der „Olsenbande“ war es Egon, der Anführer, der jedesmal nach seiner Entlassung aus dem Knast triumphierend verkündete: „Ich habe einen Plan!“ Nun sind aber die Beziehungen der Menschen untereinander und ihre gesellschaftlichen Bedürfnisse nicht vorrangig von den Wünschen und Launen oder vom Charakter der betreffenden Personen abhängig, sondern sie werden bestimmt von der jeweiligen Stellung des Menschen im Prozeß der materiellen Produktion. Das Bewußtsein ist keineswegs nur eine passive Widerspiegelung der Welt. Lenin sagte: „Das Bewußtsein … widerspiegelt nicht nur … die Welt, sondern schafft sie auch.“ [1] Entscheidend ist, was wir tun, um diese Welt zu verändern. Und moralisch gerechtfertigt ist auch nur ein solches Handeln, das der arbeitenden Klasse nützt. Dabei kommt es nicht darauf an, ob die Verhältnisse gerade günstig sind oder nicht.
Woher nehmen wir unseren Optimismus?
Die Geschichte der Wissenschaft zeigt, daß alle Grenzen unserer Erkenntnis relativ und historisch bedingt sind. Daher ist der Erkenntnisoptimismus, den die marxistische Philosophie – im Gegensatz zu bürgerlichen Träumereien und Hirngespinsten – vertritt, durch alle praktischen und theoretischen Erfahrungen und Kenntnisse der Menschheit fest begründet. Und das heißt auch: Die Wahrheit kommt ans Licht! Die Praxis ist dabei die Grundlage und Triebkraft der Erkenntnis. Auch wenn es immer wieder Ereignisse gibt, die unsere Hoffnungen und Erwartungen zu trüben oder zu zerstören scheinen, ist jeglicher Fatalismus hier fehl am Platze. Der naturgeschichtliche Charakter des Prozesses der Entwicklung einer ökonomischen Gesellschaftsformation bleibt erhalten, wenn er erkannt wird und wenn ihn die Menschen unter der Leitung einer marxistischen Partei bewußt realisiseren.
Wir sind nicht dem Schicksal ausgeliefert!
Nun lassen sich aber die gesellschaftlichen Verhältnisse der Menschen, gesellschaftliche Prozesse wie soziale Revolutionen, Kriege usw. nicht aus mechanischen Gesetzen erklären. Werden die gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeiten nämlich unabhängig von den Bedingungen betrachtet, und wird nicht beachtet, daß der Mensch sich die Gesetze zunutze machen kann, indem er die entsprechenden Bedingungen schafft, oder dem Einfluß bestimmter Gesetze entgegenwirken kann, indem er Bedingungen schafft, die diesen entgegenstehen, so führt dies zum Fatalismus, zum Schicksalsglauben. Das Wissen um die spezifisch gesellschaftlichen Entwicklungsgesetzmäßigkeiten vermittelt aber nur die marxistische Philosophie und Soziologie.
In einem Brief an Pjotr Lawrowitsch Lawrow schreibt Friedrich Engels:

Ist das Leben nur ein Kampf ums Dasein?
„Die ganze darwinistische Lehre vom Kampf ums Dasein ist einfach die Übertragung der Hobbesschen Lehre vom bellum ornnium contra omnes [2] und der bürgerlich-ökonomischen von der Konkurrenz, nebst der Malthusschen Bevölkerungstheorie [3], aus der Gesellschaft in die belebte Natur. Nachdem man dies Kunststück fertiggebracht (dessen unbedingte Berechtigung ich …bestreite, besonders was die Malthussche Theorie angeht), so rücküberträgt man dieselben Theorien aus der organischen Natur wieder in die Geschichte und behauptet nun, man habe ihre Gültigkeit als ewige Gesetze der menschlichen Gesellschaft nachgewiesen. Die Kindlichkeit dieser Prozedur springt in die Augen, man braucht kein Wort darüber zu verlieren. Wollte ich aber näher darauf eingehn, so würde ich es in der Weise tun, daß ich sie in erster Linie als schlechte Ökonomen, und erst in zweiter Linie als schlechte Naturforscher und Philosophen darstellte.“
Und er begründet das wie folgt:
Der wesentliche Unterschied der menschlichen von der tierischen Gesellschaft ist der, daß die Tiere höchstens sammeln, während die Menschen produzieren. Dieser einzige, aber kapitale Unterschied allein macht es unmöglich, Gesetze der tierischen Gesellschaften ohne weiteres auf menschliche zu übertragen. Er macht es möglich, daß, wie Sie richtig bemerken, «человек вел борьбу не только за существование, но за наслаждение и за увеличение своих наслаждений … готов был для высшего наслаждения отречься от низших» [der Mensch nicht nur den Kampf um das Dasein führte, sondern auch um den Genuß und für die Erhöhung seiner Genüsse … bereit war, zugunsten höheren Genusses auf weniger hohen zu verzichten].
Und Engels schlußfolgert daraus:
Die Produktion der Menschen erreicht also auf gewisser Stufe eine solche Höhe, daß nicht nur notwendige Befürfnisse, sondern auch Luxusgenüsse, wenn auch zunächst nur für eine Minderheit, produziert werden. Der Kampf ums Dasein – wenn wir diese Kategorie für einen Augenblick hier gelten lassen wollen, verwandelt sich also in einen Kampf um Genüsse, um nicht mehr bloße Existenzmittel, sondern um Entwicklungsmittel, gesellschaftlich produzierte Entwicklungsmittel, und für diese Stufe sind die Kategorien; aus dem Tierreich nicht mehr anwendbar.
Warum ist die soziale Revolution eine Notwendigkeit?
Wenn nun aber, wie jetzt geschehen, die Produktion in ihrer kapitalistischen Form eine weit größere Menge von Existenz- und Entwicklungsmitteln produziert als die kapitalistische Gesellschaft verbrauchen kann, weil sie die große Masse der wirklichen Produzenten künstlich von diesen Existenz- und Entwicklungsmitteln entfernt hält; wenn diese Gesellschaft durch ihr eignes Lebensgesetz gezwungen ist, diese schon für sie übergroße Produktion fortwährend zu steigern und daher periodisch, alle zehn Jahre, dahin kommt, nicht nur eine Masse Produkte, sondern auch Produktivkräfte selbst zu zerstören – welchen Sinn hat da noch das Gerede von „Kampf ums Dasein“? Der Kampf ums Dasein kann dann nur noch darin bestehn, daß die produzierende Klasse die Leitung der Produktion und Verteilung der bisher damit betrauten, aber jetzt dazu unfähig gewordenen Klasse abnimmt, und das ist eben die sozialistische Revolution.
Quelle: Engels an Pjotr Lawrowitsch Lawrow. In: Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 34, S. 169-172
[1] W.I. Lenin: Konspekt zu Hegels „Wissenschaft der Logik“. In: Werke, Bd. 38, S. 203.
[2] bellum omnium contra omnes (lat.) „Der Krieg aller gegen alle“.
[3] Zu Anfang seines Briefes wendet sich Friedrich Engels mit scharfen Worten gegen die unwissenschaftliche Malthussche Bevölkerungstheorie. Als geeignete Mittel zur Reduzierung der Bevölkerung bezeichnete der britische Pfaffe und Ideologe T.R. Malthus:
- geschlechtliche Enthaltsamkeit (das will Gates mit einer Impfung erzwingen !)
- Einschränkung der Armenunterstützung (wie schon in der BRD mit Hartz 4 !)
- Elend (wie gerade praktiziert mit massenhafter Stillegung der Wirtschaft !)
- Seuchen (dazu wurde die angebliche Corona-Pandemie erfunden !)
- Kriege (wie gerade in der Ukraine !)









