…oder: Die Demokratisierung der SED-IdeologieVon

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Bittere Satire, die sehr nah an der Realität liegt (Collage:Conservo)
Nein, es hat nicht mit dem 9. November 1989 angefangen – und doch wurden, schon vor der offiziellen Wiedervereinigung knapp ein Jahr später, die Weichen gestellt für das, was wir heute in Deutschland sehen. Zwar war der klassische Sozialismus in der alten Bundesrepublik nie völlig tot gewesen (wofür hauptsächlich die Grünen als Erben der 68er-Bewegung gesorgt hatten, garniert mit der Ideologie der RAF)… aber er durfte kaum mehr als an der Macht schnuppern.
Sehr früh jedoch schon nahmen praktisch alle im Bundestag vertretenen Parteien einstige SED-Kader in ihre Reihen auf; manche mit der Perspektive, sie asap nach der Wiedervereinigung mit verantwortungsvollen Positionen zu bekleiden. Im Nachkriegsdeutschland gab es zwar auch eine nicht geringe Zahl ehemaliger NSDAP-Mitglieder im Bundestag; allerdings hatte man damals auch keine Alternativen, um den politischen Betrieb der jungen Bundesrepublik im Schwung zu bringen, funktionierende Verwaltungen zu erhalten oder neu zu errichten und Exekutive (wie später dann auch die Bundewehr) personell ausreichend auszustatten.
Euphorie machte blind für Vitalität der kommunistischen Ideologie
Nach 1989 gab es im vereinten Deutschland diese Möglichkeit sehr wohl, doch niemand wollte sich genügend Zeit für Prüfungen und Auswahlverfahren nehmen. So rasch als möglich wollten wir der Welt zeigen, dass wir nahezu übergangslos „Deutschland einig Vaterland” sein können. Und Teil dieses “Aktionsplans“ war eben auch die Integration ehemaliger SED-Kader, die nun Stuhl an Stuhl neben ihren einstigen Opfern (Mitgliedern der Widerstandsbewegung) und langjährigen Westdemokraten in Parlamenten, Räten, Judikative, Exekutive und Kirchengremien saßen. Von manchen erfuhr man auch erst viel später, dass sie als IM oder Stasimitarbeiter im Dienst der Diktatur gestanden hatten.
Deshalb ist es angemessen, jetzt, mit kalendarischem Sommeranfang des Jahres 2023, an dieses Ereignis zu erinnern, oder besser: an die Folgen für unsere Gesellschaft, die zunächst scheibchenweise und langsam, dann aber immer massiver und rascher zu durch das politische und kirchliche Establishment eingeführten Veränderungen führte, um den Umbau der Demokratie in “unsere Demokratie” nach sozialistischem Vorbild vorzubereiten.
Europa als ewiges Paradies für Frieden und Wohlstand?
Als vor bald 34 Jahren die Mauer fiel, waren die Hoffnungen unbeschreiblich groß. Nicht nur ein einiges demokratisches Deutschland sah man, sondern auch den Niedergang des diktatorischen und atheistischen Sozialismus. Deshalb erwarteten die Allermeisten, dass dieses historische Ereignis Ausgangspunkt für ein geeintes und auch wieder eher christliches Europa sein würde: Ein starkes, seinen Traditionen verpflichtetes Europa, dessen Strahlkraft bis Moskau, Peking und Washington reichen würde. Die eine, gerechte Welt schien damals zum Greifen nahe. Bekanntlich kam es anders. Und blicke ich auf das Deutschland 2023, packt mich kaltes Grausen.
War es im Westdeutschland des Jahres 1989 noch der “ganze” Mensch, der im Mittelpunkt stand; galt damals noch das Wort “Kapital verpflichtet”; war man sich noch bewusst, wem dieses Land und wem Europa seine Blüte verdanken; verstand man Kinder seinerzeit noch als selbstverständlichen Teil einer Familie und diese wiederum als Keimzelle der Gesellschaft; begriff man zu dieser Zeit noch, dass mit dem “Gott” der Verfassung der dreifaltige Gott gemeint war, der einst seinen Sohn Jesus Christus zu uns sandte; wurde Abtreibung damals nur als Ultima Ratio begriffen; galt damals das Töten von Menschen auf Verlangen noch als inhuman; ging man mit dem politischen Gegner zwar nicht immer zimperlich, aber doch gerecht und anständig um; wusste man damals noch zwischen „Gästen“ und einheimischen Bürgern klar zu unterscheiden: So erlebe ich heute ein Deutschland, das beinahe frei ist von Religion – jedenfalls der christlichen – und damit, jenem “Opium”, das Marx als das des Volkes identifizierte. Ich sehe ein Deutschland, das arm ist konservativem Denken außerhalb des Religiösen, das zudem herausgebrochen ist aus dem vermeintlichen Stahlbeton-Fundament einer stabilen ruhenden Mitte, und das täglich weiter nach links verschoben wird.
Staat und Gesellschaft 1989 vs. 2023
Der Mensch ist für die heutige Regierung im Wesentlichen nur noch in Bezug auf seinen Beitrag zum Bruttosozialprodukt von Interesse. Wenn, dann ist seine Rolle als Arbeitnehmer und Zahlesel, nicht jedoch seine Vater- und Mutterrolle relevant und wenn doch, dann nur, wenn sie arbeitsmarktverträglich ausgelebt werden kann. Kapital verpflichtet heute immer noch – allerdings letztendlich nur noch den Steuerzahler, der die Fehler aller “Systemrelevanten” zu bereinigen hat. Und das Christentum ist bei alledem nur noch eine Randnotiz.
Zwar kommt man (noch) nicht ganz an den Kirchen vorbei, aber man hat sich ausreichend Gegengewichte verschafft. Die einen waren schon immer da: Die einen als die Atheisten des sozialistischen Ostens, und die anderen holte man sich gezielt ins Land. Vor allem den Urfeind des Christentums – die Koranreligion. Beide Gruppen sind sehr nützlich, um sich peu à peu der christlichen Moral-Altlasten in Deutschland zu Europa zu entledigen.
Brutale sprachliche und taktische Härten
Familie ist heute irgendwie alles, wo mindestens zwei Personen welchen Geschlechts auch immer im Namen des Staates versammelt sind. Wenn es Kinder gibt, dann ist das eben so; wenn nicht, dann nicht, weil ein grenzenloses Europa den Arbeitskräfte- und Kinderexport je nach Bedarf ermöglicht. Den im Grundgesetz gemeinten Gottesbegriff gibt es nur noch auf dem Papier; die von Christus gestiftete Religion und ihr Gott sind nicht mehr der Leitstern für Gesetze und Entscheidungen. LAs moralisch gilt, was machbar ist. Abtreibung ist ein “Frauenrecht” und behindertes vorgeburtliches Leben “rassenhygienisch” nicht verantwortbar – zumal es nachgeburtlich die Arbeitskraft der Eltern mindern und die Pflegekosten erhöhen würde.
Im politischen Bereich geht man unduldsam, mit brutaler sprachlicher und taktischer Härte vor gegen alle, die den vorstehend beschriebenen Zuständen entgegenarbeiten. Man schreckt dabei vor Lügen, Denunziation und Manipulation nicht mehr zurück.
Die Haltung der Kirchen
Im Folgenden habe ich nur die römisch-katholische Kirche im Blick und die große kirchliche Gemeinschaft EKD. Gewiss gab es bei den Laienvertretern beider Gruppen – vermutlich deutlich früher als im politischen Deutschland – kapitalistische und sozialistische Verweltlichungstendenzen, vor allem bei Themen wie Euthanasie und Abtreibung, Homosexualität und Zölibat, Stellung des Priesters (respektive des Papstes) und so fort. Aber immer war Kirche bei gesamtgesellschaftlichen Themen, die moralische Fragen betrafen, in Person ihrer hauptamtlichen Vertreter eine Art Opposition zum tatsächlich oder angeblich “neutralen” Staat. Und: Beide christlichen Konfessionen standen dem Islam vollkommen ablehnend gegenüber, sprachen offen die Unterdrückung der Frau in islamischen Staaten und Christenverfolgungen an.
Heute hingegen sehen wir Kirchen, die zum politischen Arm linksliberaler und wirtschaftsfreundlicher Politik degeneriert sind, und das vollständig indifferent. Die Gefährlichkeit des Islams – die wir bis heute noch in allen Staaten sehen, in denen er herrscht – wird ignoriert. Die Kirchen dienen sich dem Staat in einem ominösen Kampf gegen angeblich zu radikale Lebensschützer und Gleichstellungs- bzw. Gleichberechtigungsfeinde an und lassen sich politisch gegen jenes konservative (irrenführend als „rechts“ bezeichnete) Milieu instrumentalisieren, das einstmals ihr eigener Nährboden war.
Letztlich ist es Feigheit
Kirche ist verkommen zu einem Hort von Schönwetter-Predigern, zu einem Wettbewerber auf dem Markt der Konsum-Unmöglichkeiten, der es nicht einmal mehr wagt, in der Abtreibungsfrage dem Staat ins Angesicht zu widerstehen. Auch über grüne Themen wie Klimaschutz und Fleischverzicht wird Sonntag für Sonntag referiert in Predigten , die sich nur noch selten auf das Evangelium, sondern auf die politische Staatsdoktrin beziehen – sei es die Ehe für alle, Gender, Migration, Islam oder auch immer was politischer oder medialer Mainstream ist. Sie nennen es Lebenswirklichkeitsnähe – letztendlich aber ist es Feigheit, für das einzustehen, an das zu glauben sie vorgeben.
Deutschland 1989 und Deutschland 2023: Die Steine der grauen und doch roten Mauer haben Jahr und Jahr mehr Werte erschlagen, die überlebenswichtig für jedes Volk sind. Die Gemeinschaft in Deutschland und Europa ist zerfallen, durch das Land geht ein riesiger Riss zwischen Arm und Reich, zwischen ganz links, links, ziemlich links auf der einen und konservativ (beziehungsweise “rechts“) auf der anderen Seite. Jeglicher Anstand ist verdunstet.
Dieser Beitrag erschien zuerst auf Conservo.














