Von Albrecht Künstle

Rentner in Deutschland: Zu Unrecht angefeindet (Symbolbild:Pixabay)
Viele fragen sich, ob Deutschland mit der hohen – und steigenden – Zahl an Ruheständlern finanziell noch zurechtkommen kann – zumal die Rentner ja statistisch auch immer älter werden. Und sie grübeln: „Brauchen wir tatsächlich mehr Zuwanderung, damit die Migranten dann unsere Renten zahlen?” Doch das sind alles olle Kamellen. Was die Lebenserwartung betrifft, so ist über die letzten Jahre hinweg nur etwa um einen Monat gestiegen. Dennoch registrieren die Statistiker seit 2021 eine Übersterblichkeit, die vielen Rätsel aufgibt. Die Sterblichkeit ist weit höher, als sie der zahlenmäßig im selben Zeitraum größer gewordenen Bevölkerung entspricht. Und ein Ende dieses ominösen Sterbens ist nicht abzusehen; die Sterbetafeln wurden bereits angepasst. Na also, es geht doch – auch ohne Rentenreform! Das meinen jedenfalls manche Zyniker.
Wie sehr belastet die Nichterwerbstätigkeit von Rentnern die arbeitende Generation? Wenn die Zahlen stimmen, beträgt die Arbeitsphase in Deutschland 38,7 Jahre – mehr als der europäischen Durchschnitt von 36,2 Jahren. In dieser Zeit müssen die Arbeitenden wohl oder übel die nichterwerbsfähige Bevölkerung „durchfüttern“, die im Schnitt mehr als 42 Jahre ihres Lebens nicht arbeitet. Hinzu kommt, dass die Berufstätigen nicht nur ihre „Alten“ und Jungen zu versorgen haben, sondern auch ihre 2,5 Millionen gleichaltrigen Arbeitslosen. Die Berufstätigen sind heute so wenig zu beneiden, wie schon meine Generation es einst nicht war (der Autor dieser Zeilen brachte es auf 44 Vollzeit-Berufsjahre und sogar 47 Versicherungsjahre).
Belastung hält sich in Grenzen
Wie schlagen nun die zu unterhaltenden Bevölkerungsgruppen zu Buche? Rentner belasten die Erwerbstätigen durchschnittlich mit 18,9 Rentenbezugsjahren, bevor sie die ultimative Kleinstwohnung beziehen (den Sarg) und dann niemandem mehr zur Last fallen. Aber auch in dieser Zeit hält sich die Belastung für die Beitragszahler in Grenzen, denn das Rentenniveau beträgt in Deutschland keine 50 Prozent. Gewichtet beträgt die effektive Belastung nur neun Jahre. Von den rund 39 Jahren Arbeit kommen also neun Jahre den Rentnern zugute – auch der eigenen Rente. Doch die Rentner benötigen keine Infrastruktur mehr und kommen mit ihren eigenen Steuern für vieles selbst auf, was sie benötigen; übrigens auch mit ihren Beiträgen zur Krankenversicherung der Rentner und zur Pflegeversicherung. Die Rentnergeneration ist damit keine ernsthafte Belastung für die Volkswirtschaft.
Wenn etwas die berufsaktive Bevölkerung tatsächlich belastet, dann ist es die junge Generation! Aber das muss so sein – denn die Ausbildung der Kinder und Jugendlichen macht die Zukunftsfähigkeit eines Landes aus. Das durchschnittliche Berufseintrittsalter wurde für Deutschland zwischen 23 und 24 Jahren errechnet. Leider stehen bei Destatis keine diesbezüglichen Zahlen zur Verfügung. Die mehr als doppelt so vielen Jahre der nicht möglichen Erwerbstätigkeit zu Beginn jeder Biographie belasten eine Volkswirtschaft weitaus stärker, als es die Rentner vergleichsweise wenige Jahre lang tun.
Aufwand für Kinder weit höher als für die Alten
Kinder zu unterhalten, sie mit allem zu versorgen – mit Kleidung, aus der sie alle paar Monate herauswachsen, mit der Einrichtung von Kinderzimmern, kulturelle und sportliche Teilhabe, mit Schul- und Berufsausbildung oder einem Studium -, ihnen Mobilität zu ermöglichen und ihre Existenzgrundlage zu sichern: Das alles sind Aufgaben und Kosten, die bei Rentnern nicht mehr anfallen. Oftmals greifen Rentner ihren Enkeln unter die Arme – nicht umgekehrt die Kinder den Großeltern. Auch werden die Alten durch die Nachkommen beerbt – nicht umgekehrt.
Die Demagogie gegen Rentner würde an Volksverhetzung grenzen, wäre der Tatbestand der Altersdiskriminierung vom Paragraphen 130 Strafgesetzbuch erfasst. Ohne sachlichen Grund wird bis in die höhere Politik der Teufel der „Rentnerschwemme” an die Wand gemalt. In Wikipedia heißt es hierzu: „… ist in den Medien, u. a. auch mit Blick auf kinderlose Alte (vgl. oben), immer wieder von sich verschärfenden Generationenkonflikten und Gerontophobie die Rede. Oft haben die beschriebenen Konflikte den Charakter eines Verteilungskampfs. Die Lohnersatzleistung Rente, die auf lebenslang geleisteten Beiträgen in ein gesetzlich geregeltes Versicherungssystem basiert, wird dabei als ungerechtfertigte Inanspruchnahme von Sonderrechten des Alters dargestellt. Die Rentnerschwemme, wird moniert, bedrohe den Lebensstandard der jüngeren Bevölkerung, und es wird vor Generationenkonflikten, ja sogar einem möglichen ‚Generationenkrieg‘ gewarnt, wenn auf diese oder jene Leistungen des Versicherungssystems nicht verzichtet werde (z. B. 2003 vom damaligen Junge-Union-Vorsitzenden Philipp Mißfelder).” Wird die momentan aktive Generation dereinst mehr in die Hände spucken, als wir es einst taten? Wohl kaum: Nur 10,7 Prozent der Befragten wollen bis 67 arbeiten, 54 Prozent bis längstens 62. Ob die heutige Generation genügend Kinder in die Welt setzen wird, um einen so frühen Rentenbeginn zu ermöglichen? Wird sie früher in Rente gehen, obwohl sie später ins Berufsleben eintritt, als wir es taten?
Fertiger als fertig
Destatis stellte ein interaktives Modul zur Bevölkerungsvorausberechnung ins Netz; doch es hat einen gravierenden Mangel: Der wichtige Parameter „Gebäralter der Mütter” fehlt leider völlig . Trotzdem: Stellen Sie im Modul die Geburtenhäufigkeit auf „hoch” (1,67 Kinder), die Lebenserwartung auf „niedrig” (82,6 / 86,1 Jahre), den Wanderungssaldo auf „niedrig” (180.000 pro Jahr), den Berufseintritt auf 24 Jahre und den Renteneintritt auf 66 Jahre ein. Dann projizieren Sie die Berechnung in die nächste Amtszeit nach 2025, indem Sie den blauen Punkt hochschieben. Die laufende Amtszeit braucht nicht simuliert zu werden: Die amtierende Regierung ist fertiger als fertig.
Mit der Projektion ist erkennbar, dass das Arbeitspotenzial auch für die kommenden Jahe ausreichen wird, um sowohl die Altersjahrgänge bis 24 Jahre als auch die ab 66 Jahren zu versorgen. Es gälte jetzt lediglich, die Zuwanderer der letzten Jahre endlich zum Arbeiten zu bewegen. Das gilt insbesondere für die Frauen der Zuwanderer, deren Erwerbsquote jämmerlich ist. Und wir können und sollten endlich die Zugewanderten, die zu nichts zu gebrauchen sind, getrost wieder nach Hause schicken! Sie verursachen, neben sonstigen Problemen, weitaus mehr Arbeit, als sie zu leisten imstande sind. Und die, die immerzu nach noch mehr Ausländern rufen, könnten wir ebenfalls dorthin schicken, wo selbige herkommen.
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Pepe Escobar








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