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24. November 2022

Habeck hat den Gas-Deal mit dem Scheich nicht hingekriegt – und das trotz seiner Unterwerfungsgeste, einem Diener, ja schon fast einem Kniefall vor dem Scheich. Naja, wenn man sich nur als Vertreter einer Bananenrepublik sieht, muss man das wohl so machen. Nun wurde, direkt nach der Klimakonferenz in Ägypten, und während wir uns über das Tragen der Regenbogenbinde ereifern, ein Gasliefervertrag zwischen Katar und China über 27 Jahre abgeschlossen. Spätestens jetzt muss doch jedem die Absurdität des deutschen Klimawahns einleuchten. 27 Jahre lang, bis ins Jahr 2050, wird also China, das bis dahin die mit Abstand die größte Volkswirtschaft der Welt sein wird, weiter munter Gas verbrauchen. Und Katar wird mindestens ebenso lange auch andere die Volkswirtschaften der Welt mit günstigem Gas versorgen.
Und die anderen Energieexportstaaten der Erde werden es genauso machen, denn sie verdienen damit gutes Geld und ihre Wirtschaft lebt davon. Der Rest der Welt wird diese Energie auch kaufen, denn sie ist billig – und die Volkswirtschaften profitieren davon. Auch Deutschland und die EU werden diese Energie, wenn der Wahn entweder vorbei ist oder die vermeintlich nachhaltige Ersatzdroge der „Erneuerbaren“ nicht mehr bezahlbar ist, wieder kaufen.
Harakiri-Experimente nur in Deutschland
Doch auch die Volkswirtschaften der Energieexportländer selbst werden ihre Energie verbrauchen – umso mehr, je mehr sie wachsen und sich industriell entwickeln. Wer wollte dies denn mächtigen Staaten wie den Saudis, Iran oder riesigen Flächenstaaten wie Russland, Kanada oder den USA auf Dauer verbieten. Glaubt irgendjemand, dort lässt man sich auf das Harakiri-Experimente einer „Energiewende” ein, wenn die viel billigeren Energierohstoffe unter den Füßen liegen? Der Weg wird in Richtung sauberere, effizientere Nutzung der konventionellen fossilen Energieträger gehen, das ja – aber sicher nicht in deren „Überwindung”, wie sich das die Grünen herbeiphantasieren.
Deutschland war mit seinen hocheffizienten und weltweit saubersten Gas- und Kohlekraftwerken in dieser Richtung auf einem guten Weg, hier hätte es tatsächlich ein Vorbild sein können – bevor ideologische industriefeindliche Steinzeitpolitiker beschlossen, aus Gas, Kohle (und natürlich auch Atom) komplett auszusteigen. Bloß: Das, was sie als Ersatz anstreben, funktioniert nicht und will niemand haben – und deshalb ist Deutschland in puncto Energiewende auch kein Vorbild für andere, sondern ein abschreckendes Beispiel. Seine Politik müssen anderswo um die Energieträger betteln, die sie selbst abschaffen wollen: Atomstrom aus Frankreich, Fracking-Gas aus den USA, Kohle aus Indien.
„Unser” Gas haben jetzt die anderen
Denn ganz egal, wieviel „grüne“ Energie wir selber herstellen: Es wird erstens niemals reichen, und zweitens – das ist noch viel entscheidender – ist die Wirtschaftsmacht der Exporteure mittlerweile so groß (und seitens der USA auch die politische Macht), dass sie uns ihre Energie ganz einfach aufzwingen können. Das beste Beispiel hierfür war der jahrelange Kampf zwischen USA und Russland um Nord Stream 2. Während Habeck und Scholz noch in ihren Phantasieträumen schweben und nur Verträge über höchstens fünf Jahre akzeptieren wollen, lachen jetzt die anderen. Das Ziel, auf Erdgas zu verzichten, ist nicht zu erreichen. Das müsste auch der Ampel klar sein. Und in der Tat zeigt sich: „Unser“ Gas ist nicht weg, es haben jetzt nur die anderen.
Und ganz egal wieviel Klimakonferenzen, G7- und G20-Gipfel noch folgen werden, wie viele Absichtsbeteuerungen und Abschlusskommuniques noch speziell für uns Deutsche diplomatisch verkündet werden: Ihr Inhalt interessiert keinen Hahn – außer den Deutschen in Ihrem Wahn. Nicht mal den gallischen Hahn – denn auch die Franzosen sind inzwischen von uns und unserem realitätsfernen Sendungsbewusstsein in allen Belangen, von Klima bis Migration, schwer genervt. Was sie und andere westliche Staaten in Bali und Scharm-el Scheich beschlossen haben, ist pure Heuchelei und dient nur der kosmetischen Gewissensberuhigung. Aber Hauptsache, unseren Klimakämpfern und den NGOs der grünen Transformation und „Systemwende” hat man wieder mal einen Knochen hingeworfen. Mehr ist es nicht.
Amerikanische Interessen
Nichtsdestotrotz: Wenn es nun schon mit dem Katar-Erdgas nicht geklappt hat und von dort nun nicht mal für fünf Jahre Überbrückunglieferungen kommen, kann Deutschland ja auf andere Länder ausweichen: Unsere Hoffnungen liegen hier zuvorderst bei den USA. Gerade die USA haben ambitionierte Pläne zum Ausbau ihrer LNG-Kapazitäten. Ich wage allerdings zu bezweifeln dass sie das nur mit Blick auf die nächsten fünf Jahre tun. Wenn wir uns großflächig mit Energielieferungen an die USA binden, werden wir diese Importe mit Sicherheit nicht nach fünf Jahren wieder zurückfahren können – denn die USA haben dann investiert, genau wie die Russen in Nord Stream 2, und Deutschland steckt in der nächsten einseitigen Abhängigkeit. Allerdings haben die USA weitaus mächtigere Druckmittel, um uns bei der Stange zu halten.
Und dass ihnen das Klima, wenn eigene wirtschaftliche Interessen berührt werden, völlig wurscht ist – und zwar Demokraten und Republikanern gleichermaßen -, haben sie oft genug durchblicken lassen. Unterm Strich heißt das: Wir werden in jedem Fall auch für die nächsten 27 Jahre und länger unsere Energie im Wesentlichen aus Importen decken müssen. Um dies einmal in einen zeitlichen Bezug zu setzen: Trump wurde vor sechs Jahren Präsident, und seitdem bereits tobte zwischen den USA und Russland der Kampf um die Ostseepipelines – respektive um die LNG-Terminals. Auch wenn durch den Ukrainekrieg und die Nord-Stream-Sabotage einstweilen vollendete Tatsachen geschaffen werden, geht der Kampf darum, wer Gas nach Europa liefert, unvermindert weiter. Daran wird sich auf absehbare Zeit nichts ändern.
Entweder Deindustrialisierung oder Abhängigkeit
Im eigenen Land macht sich derweil eine Mafia aus grünen Profiteuren und Subventionsgewinnern die Taschen voll beim naturzerstörenden und untauglichen Ausbau erneuerbarer Energien, von denen sonnenklar feststeht, dass mit ihnen ein Industriestaat wie Deutschland niemals am Laufen gehalten werden kann. Die Atomenergie wird zudem in spätestens fünf Monaten Geschichte sein. Die Folgen sind absehbar: Entweder hört Deutschland auf ein Industriestaat zu sein, oder es wird zu überteuerten und schlechteren Konditionen, in neuen politischen Abhängigkeitsverhältnissen, „klimaschädliche“ Energie und Atomstrom importieren müssen.
Für den Moment haben wir uns entschieden, das billige Gas aus Russland nicht mehr zu kaufen und stattdessen das teure aus den USA zu beziehen. An der Gasmenge wird das nichts ändern – denn auch die USA werden uns drängen, möglichst viel zu kaufen. Nur haben die USA mit Ihrer Embargopolitik sehr viel mehr Einfluss auf unsere Entscheidungen, als Russland das je hatte. Der jetzige Status Quo kommt ihnen daher mehr als gelegen – und deshalb haben die USA auch weder ein ernsthaftes Interesse an einer Friedensregelung in der Ukraine, das zwangsläufig mit einer Renormalisierung der EU-Russland-Beziehungen einhergehen wird, noch reale Ambitionen, die Pariser Klimaziele oder Abschlusserklärungen der COP27 umzusetzen.
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