Der 9. Mai 2024 – ein denk- und geschichtswürdiger Tag | Von Wolfgang Effenberger

Ein Kommentar von Wolfgang Effenberger.

Der 9. Mai 2024 fällt nicht nur auf den Himmelfahrtstag, sondern steht auch für drei geschichtsträchtige Ereignisse:

Die seit 1950 jährliche Karlspreisverleihung in Aachen, der Europa-Tag, der auf die Robert-Schumann-Erklärung vom 9. Mai 1950 zurückgeht, und die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht 1945 im Berliner Stadtteil Karlshorst, an die alljährlich neben vielen Veranstaltungen an verschiedenen sowjetischen Ehrenmälern in Berlin mit einer großen Siegesparade auf dem Roten Platz in Moskau erinnert wird. 

Bedingungslose Kapitulation am 9. Mai 1945 in Karlshorst

Bereits am 7. Mai 1945 unterzeichnete im Hauptquartier des US-Generals Dwight D. Eisenhower in Reims Generaloberst Alfred Jodl – Chef des Wehrmachtführungsstabes, eine Kapitulationsurkunde. Die Waffen sollten am nächsten Tag ruhen. 

Die US-Amerikaner waren am 6. Juni 1944 auf dem europäischen Kriegsschauplatz gelandet, die Sowjetunion war am 22. Juni 1941 von der Wehrmacht überfallen worden. 

Die Sowjettruppen eroberten Berlin und hatten allein dabei so viele Gefallene wie die USA in Gesamteuropa. Die Gesamtverluste der Sowjetunion werden mit über 25 Millionen beziffert. 

Darin sind an die drei Millionen russische Gefangene enthalten, die in Deutschland entweder durch Genickschussanlagen oder durch Vernichtung mittels Arbeit ermordet worden sind. 

Ebenso beschämend ist die Belagerung des damaligen Leningrad durch die deutsche Heeresgruppe Nord. Die Belagerung dauerte vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944. 28 Monate oder 872 Tage unvorstellbaren Leids. Es war ein Teil des Vernichtungskriegs im Osten und somit „ein genozidaler Akt, bei dem rund 1,1 Millionen Menschen gestorben sind“(1), Die Stadtbevölkerung sollte gezielt ausgehungert werden. Das war ein Kriegsverbrechen, zudem stand die Stadt unter ständigem Artilleriebeschuss.(2)

Vor diesem Hintergrund ist die Forderung Stalins auf eine deutsche Kapitulation im Hauptquartier von Feldmarschall Georgi Schukow in Karlshorst zu verstehen. Und so unterschrieben dann am 9. Mai 1945 – kurz nach Null Uhr –in Karlshorst Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel als ranghöchster deutscher Soldat sowie die Befehlshaber der Teilstreitkräfte vor den 4 Siegermächten die bedingungslose Kapitulation.

Damit war der Zweiten Weltkriegs in Europa offiziell beendet.(3)

In den letzten Jahren kam es immer wieder wegen antirussischer Ausschreitungen an den verschiedenen sowjetischen Ehrenmälern in Berlin zu großen Polizeieinsätzen. 2024 wird wieder mit erheblicher Polizeipräsenz im Treptower Park und am Tiergarten gerechnet.(4)

Die Robert-Schuman-Erklärung vom 9. Mai 1950 – heute Europatag

Laut Wikipedia wird der 9. Mai als Europa-Tag in Erinnerung an die Schuman-Erklärung von 1950 als Ursprung der Europäischen Union gefeiert. 

Der Stabschef des französischen Außenministers erklärte später:” Alles begann in Washington”(5). 

Am 9. Mai 1950 traf der US-Außenminister Dean Acheson in Paris mit seinem französischen Kollegen Robert Schuman und dem französischen Vizeministerpräsidenten Georges Bidault zusammen. Anschließend verkündete Schuman: „DiefranzösischeRegierungschlägtvor,dieGesamtheitderfranzösisch-deutschenKohle-undStahlproduktioneinergemeinsamenHohenBehördezuunterstellen,… sodaßjederKriegzwischenFrankreichundDeutschlandnichtnurundenkbar, sondern materiell unmöglichist.“(6)

Diese Erklärung, deren Urheber US-Außenminister Acheson war, steht im Zusammenhang mit Kriegsvorbereitungen – wie immer, wenn Energie und Stahl für kommende Kriege gebündelt werden.

Sieben Wochen vor der Schuman-Erklärung, am 16. März 1950, hatte sich Winston Churchill für einen deutschen Verteidigungsbeitrag ausgesprochen. Und nur wenige Monate nach der Schuman-Erklärung wurde die “Dienststelle des Bevollmächtigten des Bundeskanzlers für die mit der Vermehrung der alliierten Truppen zusammenhängenden Fragen” eingerichtet – dahinter verbarg sich nichts anderes als die Vorbereitung zur Wiederbewaffnung der BRD.

Ein Jahr zuvor, am 4. April 1949, war die NATO gegründet worden. Laut Lord Ismay, dem 1. Generalsekretär, mit der der Absicht, „Amerika drin, die Russen draußen und die Deutschen unten zu halten.“(7)

Im Bündnisvertrag wird die Einsicht verlangt, dass wirtschaftlicher Wiederaufbau und Stabilität wichtige Elemente der Sicherheit sind: 

Daher auch der Marshallplan. Nur wenige Monate später, am 19. Dezember 1949, verabschiedeten die USA den Kriegsplan „Dropshot”, mit dem 1957 die Sowjetunion angegriffen werden sollte. In der „Grundannahme” heißt es wörtlich: „Am oder um den 1. Januar 1957 ist den Vereinigten Staaten durch einen Aggressionsakt der UdSSR und/oder ihrer Satelliten ein Krieg aufgezwungen worden.” Daraufhin sollten 300 Atombomben und zigtausende hochexplosiver Bomben abgeworfen werden, um 85 Prozent der industriellen Kapazität der Sowjetunion mit einem einzigen Schlag zu vernichten. Der Zeitpunkt war zweifellos auf den ursprünglich geplanten Abschlusstermin der Remilitarisierung Westdeutschlands abgestimmt. Als dann jedoch 1957 der Satellit Sputnik seine Kreise um die Erde zog, mussten die Kriegsplanungen überarbeitet werden, und der Zeitpunkt für Dropshot wurde vertagt. In Moskau aber ist der Plan unvergessen.

Für mich war es 1999 unvorstellbar, dass sich die Bundesrepublik Deutschland erstmals an einem Krieg, und dann auch noch an einem völkerrechtswidrigen Angriff beteiligt! 

Nachdem die USA für den Krieg gegen Rest-Jugoslawien kein UN-Mandat bekamen, änderten sie kurzerhand ihre Strategie und mandatieren seither ihre Kriege selbst. Die Vereinten Nationen sind obsolet geworden – stattdessen beruft man sich auf eine diffuse, exklusive „regelbasierte Ordnung” und damit auf ein imperiales Faustrecht.

Nun soll Deutschland angesichts der sich militärisch ausweitenden Konflikte kriegstüchtig werden. Die Entwicklung, für die der sogenannte Wertewesten hauptverantwortlich ist, zielt auf Krieg gegen Russland und China. Diese absehbare Gefahr brachten wenige Monate nach dem Maidan-Putsch Anfang 2014 Willy Wimmer und ich im Vorwort zu „Wiederkehr der Hasardeure – Schattenstrategen, Kriegstreiber, stille Profiteure 1914 und heute” zum Ausdruck:

 „die gleichen Kreise, die vor hundert Jahren nationale Konflikte für ihre Interessen instrumentalisierten, sind heute wieder am Werk. Wieder wird bedenkenlos gepokert und dabei billigend die Gefahr eines Weltkriegs und damit neues unermessliches Leid in Kauf genommen“.(8)

Im September 2014 setzte das Pentagon die Langzeitstrategie TRACOC 525-3-1 „Win in a Complex World 2020 -2040“ in Kraft. Darin wurden Heer, Marine und Luftwaffe auf die künftigen Konflikte eingestimmt: An erster Stelle wird die Bedrohung durch Russland und China genannt, dann die durch Iran und Nordkorea und erst zum Schluss die Bedrohung durch transnationale Terroristen. 

Im US-Strategiepapier vom 27. Oktober 2022 nannte US-Präsident Biden als Hauptziele:

  • Abbau der wachsenden multidisziplinären Bedrohung durch China
  • Abschreckung der von Russland ausgehenden Herausforderung in Europa
  • Ausschluss jedes Verzichts auf einen nuklearen Erstschlag. 

Zur Umsetzung dieser Prioritäten gehört u.a. der Aufbau eines dauerhaften Vorteils.

Wie will ein Land mit diesem Anspruch in Frieden mit anderen Nationen leben?

In den Handreichungen des wissenschaftlichen Dienstes des US-Kongresses vom 15. November 2022 ist zu lesen, dass viele militärische Operationen der USA im 1. und 2 Weltkrieg und danach das Ziel hatten, regionale Hegemonie in Eurasien zu verhindern.

Stand das serbisch dominierte Rest-Jugoslawien der NATO-Osterweiterung im Weg? 

Oder hatte es sich zu sehr an China gebunden, wie der Angriff auf die chinesische Botschaft in Belgrad vermuten lässt? 

Die Kriege und Bürgerkriege der Gegenwart (Irak, Libyen, Syrien, Ukraine, Ägypten usw.) zeigen, dass die Blutspur der Strategen des Ersten Weltkriegs bis in die heutige Zeit reicht und so lange kein Ende finden wird, bis die Triebkräfte, die in den Ersten Weltkrieg geführt haben, aufgedeckt sind und die Konflikte in eine nachhaltige Friedenslösung münden.

Vor Beginn der Münchner Sicherheitskonferenz unterschrieben der deutsche Kanzler und der ukrainische Präsident ein auf zunächst 10 Jahre befristetes Sicherheitsabkommen samt Ankündigung eines milliardenschweren Militärhilfepakets. Eingangs verurteilen darin beide Länder – ich zitiere –

„aufdas Schärfste den ungerechtfertigten, unprovozierten, illegalen und brutalen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, durch den Russland in gravierender Weise gegen das Völkerrecht einschließlich der UN-Charta verstößt. Deutschland ist unerschütterlich in seiner Unterstützung für die Unabhängigkeit, Souveränität und territoriale Unversehrtheit der Ukraine innerhalb der Grenzen, die seit 1991 international anerkannt sind“.(9) 

Dieses „Sicherheitsabkommen” wurde unmittelbar nach der Unterzeichnung wirksam.

Damit ist Deutschland auf Gedeih und Verderb an das Schicksal der Ukraine gekettet. Der Eingangssatz lässt jedes diplomatische Geschick vermissen und wird nicht nur die Hardliner im Kreml gegenüber Deutschland unversöhnlich stimmen. Deutschland hat jetzt aus Russland keine Zurückhaltung mehr zu erwarten.

Wie konnte der deutsche Kanzler Olaf Scholz einen für die BRD so existenzbedrohenden Pakt unterschreiben?

Sollte die Ukraine auf dem Schlachtfeld in die Knie gezwungen werden, könnte sich der Krieg zu einem umfassenderen regionalen Konflikt ausweiten, in den auch andere europäische Verbündete der Vereinigten Staaten verwickelt werden.(10)

Dieses Szenario wurde schon am 28. Februar 2023 bei der US-Senatsanhörung zum Ukraine-Krieg angedacht:

Kommt nun der dritte große europäische Krieg?

Die USA scheinen in einer Situation zu sein, in der als Ausweg nur noch der umfassende Krieg gesehen werden kann.

Wieso verschließt sich der deutsche Kanzler den zeitgeschichtlichen Zusammenhängen? Dass sich seit 2015 in jedem Jahr die NATO-Militärmanöver weiter bis ins Gigantische gesteigert haben, kann ihm nicht entgangen sein! Dazu die unsägliche Kriegsrhetorik der NATO-Generalsekretäre Rasmussen und Stoltenberg. 

Bertolt Brecht verfasste 1951 einen „Offenen Brief an die deutschen Künstler und Schriftsteller“. Angesichts der Remilitarisierung der jungen Bundesrepublik warnte er vor einem Dritten Weltkrieg: „Das große Karthago führte drei Kriege. Es war noch mächtig nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten.“(11)

Der „InternationaleKarlspreiszuAachen”

„DerInternationaleKarlspreiszuAachen,der1950erstmalsvergebenwurde,ist derältesteundbekanntestePreis,mitdemPersönlichkeitenoderInstitutionenausgezeichnetwerden,diesichumEuropaunddieeuropäischeEinigungverdientgemacht haben”, heißt es bedeutungsschwer auf der Homepage der Stiftung, die den Preis alljährlich vergibt. Weiter ist dort zu lesen: „ZumNamensgeberfürdenPreis wurdeKarlderGroße,deralsersterEinigerEuropasgiltundderEndedesachten JahrhundertsAachenzuseinerLieblingspfalzwählte;damitwurdeeineBrückezwischeneuropäischerVergangenheitundZukunftgeschlagen.“(12)

Karl der Große als Vorbild für ein geeintes und friedliches Europa?

Karl wurde am Weihnachtsfest des Jahres 800 nach alttestamentlicher Sitte von Papst Leo III. gesalbt und gekrönt. 

Seine Anrede lautete: „Allergnädigster, erhabener, von Gott gekrönter, großer, friedebringender Kaiser, der das Römische Reich regiert und durch Gottes Barmherzigkeit auch König der Franken und Langobarden ist.” Es war also kein deutsches oder fränkisches Reich entstanden, sondern das westliche Imperium Romanum. Folglich kann Karl der Große nicht als Mentor eines geeinten Europas dienen. 

Auch findet sich weder bei seinem Biografen Einhard noch in den Reichsannalen des karolingischen Hofes ein Wort zu Europa. Von Europa sprachen anscheinend eher gebildete Fremde, Iren und Angelsachsen. Kaiser Karl war bei Dänen, Polen, Ungarn, Griechen oder Russen nicht sonderlich beliebt. Und die Sachsen setzten sich über 32 Jahre lang gegen die unerbittlichen Unterwerfungs- und Christianisierungsfeldzüge Karls zur Wehr, in denen sie die Absicht einer Frankisierung wie auch der Zerschlagung ihrer demokratischen Stammesstrukturen erkannten.

Erst zur Zeit Napoleons nahmen die Vorstellungen von Europa Kontur an. Nachdem Napoleon die Lombardei erobert hatte, glaubte er sich in der Tradition Karls:»IchbinKarlderGroße.«(13)Angesichts der Macht Napoleons skizzierte der deutsche Romantiker Friedrich Schlegel 1810 das Bild von Karl als »GesetzgeberfürdasganzeabendländischeEuropa.(14)Schlegel sah in Europa eine Idee, der Karl die Gestalt eines „christlichenVereins allerabendländischenNationen”gegeben hatte. 

Selbst im Dritten Reich erfuhr Karl Anerkennung. In seinen Tischgesprächen im Führerhauptquartier bat Hitler seinen Chefideologen Alfred Rosenberg, „einenHeroenwieKarldenGroßennichtalsKarldenSachsenschlächterzubezeichnen. GeschichtemüsseimmerausihrerZeitherausverstandenwerden”.(15) Für ihn war Karl der erste Einiger aller germanischen Stämme und der erste Schöpfer eines „vereinigtenEuropas”.Karl gelangte nun zu der fragwürdigen Ehre, Namensgeber für die 1. Französische SS-Waffen-Grenadierdivision „Charlemagne” zu werden.(16)

Hitler stiftete für Angehörige dieser Division vorzugsweise einen Platzteller aus Sèvres-Porzellan. Das Dekor zeigte die bekannte Reiterstatuette Karls aus dem Louvre mit der lateinischen Inschrift: „Das Reich Karls des Großen / das seineEnkelteilten/imJahr843/verteidigtAdolphHitler/gemeinsammitallen Völkern Europas / im Jahr1943.“(17)

Das braune Regime missbrauchte den großen Franken als integrierende Symbolgestalt für die eigene europäische Machtchimäre. „Karl der Europäer” überstand den Zusammenbruch von 1945 jedoch unbeschadet. Die beeindruckende Aachener Karlsausstellung des Europarats von 1965 galt „demerstenKaiser,der Europa zu vereinen wusste“(18)– mithin einem Leuchtturm. Aber der leuchtet nicht. Der Mythos vom großen Europäer stammt vor allem von nationalsozialistischen Geschichtsschreibern, die den mittelalterlichen Kaiser zum Urahn eines von Hitler geeinten Kontinents machten.

Jährlich zu Christi Himmelfahrt wird der Internationale Karlspreis zu Aachen an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens verliehen. Der erste Preisträger war Richard Nikolaus Graf Coudenhove-Kalergi, am 18. Mai 1950, „in Anerkennung seiner Lebensarbeit für die Gestaltwerdung der Vereinigten Staaten von Europa“.(19)

1925 war sein umstrittenes Werk Praktischer Idealismus” erschienen, eine krude Mischung aus puritanischer Arbeitsethik und marxistischer Heilserwartung. Propagiert wird ein heroischer Aktionismus mit dem Ziel der völligen Vereinheitlichung der Weltbevölkerung und der totalen technischen Beherrschung der Erde im Sinne einer „Aristokratie der Gesinnung”, die zu einer sozialen Entwicklung ohne Kriege führen soll.

Der naive Glaube an den „heroischen Willen” im Kampf für das Heil der Menschheit bescherte Europa im 20. Jahrhundert die aggressiven Machtstrukturen kollektiver Zwangssysteme – Nationalsozialismus und Stalinismus. Coudenhoves Vision kann einen das Gruseln lehren:

„Der Mensch der fernen Zukunft wird Mischling sein. Die heutigen Rassen und Kasten werden der zunehmenden Überwindung von Raum, Zeit und Vorurteil zum Opfer fallen. Die eurasisch-negroide Zukunftsrasse, äußerlich der altägyptischen ähnlich, wird die Vielfalt der Völker durch eine Vielfalt der Persönlichkeiten ersetzen.“(20) 

Die Edlen, entstanden aus der Zuchtwahl nach den „göttlichenGesetzenerotischerEugenik”,sollen die Massen führen.

So wird der neue Zuchtadel der Zukunft nicht hervorgehen aus den künstlichen Normen menschlicher Kastenbildung, sondern aus den göttlichen Gesetzen erotischer Eugenik. Der Sozialismus, der mit der Abschaffung des Adels, mit der Nivellierung der Menschheit begann, wird in der Züchtung des Adels, in der Differenzierung der Menschheit gipfeln.“(21) 

Man ahnt schon, wozu die eurasisch-negroide Mischrasse gut sein soll: Die abendländische Kultur mit ihrer Vielfalt individueller Entwicklungsmöglichkeiten soll orientalisiert, das Volk umerzogen werden:

„Ein pazifiziertes und sozialisiertes Abendland wird keine Gebieter und Herrscher mehr brauchen – nur Führer, Erzieher, Vorbilder. In einem orientalischen Europa wird der Zukunftsaristokrat mehr einem Brahmanen und Mandarin gleichen als einem Ritter.”

Anfang des 20. Jahrhunderts findet man selbst bei berühmten Schriftstellern unverhohlene Ausleseerwägungen, so etwa bei Bertrand Russell (1872–1970) oder H. G. Wells (1866–1946), der von einem perfekten Weltstaat träumte mit einem »ethischen System«, welches

„die Fortpflanzung dessen begünstigt, was in der Menschheit fein, wirksam und schön ist … und die Fortpflanzung von niederen und unterwürfigen Typen, von angstgetriebenen und feigen Seelen, von allem, was in den Seelen, Körpern oder Gewohnheiten der Menschen gemein, hässlich und bestialisch ist, kontrolliert“.(22) 

Coudenhove geißelt den moralischen Verfall sowohl im Kapitalismus als auch im Kommunismus, hofft aber in naiv-platonischer Manier auf eine „Aristokratie des Geistes”.(23)Seine Analyse der Demokratie als Fassade der Geldherrschaft klingt geradezu aktuell:

„… weil die Völker nackte Plutokratie nicht dulden würden, wird ihnen die nominelle Macht überlassen, während die faktische Macht in den Händen der Plutokraten ruht. In republikanischen wie in monarchischen Demokratien sind die Staatsmänner Marionetten, die Kapitalisten Drahtzieher: sie diktieren die Richtlinien der Politik, sie beherrschen durch Ankauf der öffentlichen Meinung die Wähler, durch geschäftliche und gesellschaftliche Beziehungen die Minister.“(24)

Coudenhove-Kalergis „praktischen Idealismus” könnte man als eine der vielen romantischen Gesellschaftsutopien abtun, hätte er nicht eine so fatale politische Wirkkraft entfaltet. Beispielsweise bei den angelsächsischen Elite-Gesellschaften mit ihrer Überzeugung von der Überlegenheit der angelsächsischen Rasse, gepaart mit pseudoreligiösem oder gar revolutionärem Sendungsbewusstsein. Sie bedienen sich dieser Art von „Philosophie”, um ihre pure Machtgier ethisch zu verbrämen, und haben uns genau die Art von „Schieber-Plutokratie” beschert, die Coudenhove-Kalergi beseitigen wollte.

2008 erhielt die deutsche Kanzlerin Angela Merkel den begehrten Preis. In ihrer Dankesrede betonte sie, dass die höchsten irdischen Güter, „Freiheit,Menschlichkeit und Frieden” immer wieder aufs Neue zu hegen und zu pflegen seien. 

Nur 6 Jahre zuvor hatte sie als CDU-Chefin eindringlich für eine deutsche Beteiligung am Irak-Krieg geworben. Anfang Dezember 2022 gab die Karlspreisträgerin Merkel ohne jede Scham zu, dass das Abkommen von Minsk nur dazu diente, Zeit zu gewinnen, um die Ukraine aufzurüsten: „Das Minsker Abkommen 2014 war der Versuch, der Ukraine Zeit zu geben,“ sagte die frühere deutsche Bundeskanzlerin der Wochenzeitung Die Zeit„Sie hat diese Zeit auch genutzt, um stärker zu werden, wie man heute sieht.“(25)

Und der Karlspreisträger Emmanuel Macron ist gewillt, Truppen in die Ukraine zu schicken. Auch er hatte nichts unternommen, um das Minsk-Abkommen umzusetzen und damit Frieden in die Ukraine zu bringen. 

So wenig Karl der Große ein friedenbringender Kaiser war, sind es heute die demokratisch gewählten Repräsentanten. 

Nun taumelt die europäische Union in eine Katastrophe, die sich seit mindestens 10 Jahren ankündigt. 

Wir brauchen dringend eine echte Kultur des Verstehens und Verständigens, des Bemühens um Wahrhaftigkeit, eine Kultur des Friedens!

Anmerkungen und Quellen

Wolfgang Effenberger, Jahrgang 1946, erhielt als Pionierhauptmann bei der Bundeswehr tiefere Einblicke in das von den USA vorbereitete „atomare Gefechtsfeld” in Europa. Nach zwölfjähriger Dienstzeit studierte er in München Politikwissenschaft sowie Höheres Lehramt (Bauwesen/Mathematik) und unterrichtete bis 2000 an der Fachschule für Bautechnik. Seitdem publiziert er zur jüngeren deutschen Geschichte und zur US-Geopolitik. Zuletzt erschienen vom ihm „Schwarzbuch EU & NATO“ (2020) sowie “Die unterschätzte Macht” (2022)

1) https://www.bpb.de/themen/deutschlandarchiv/340408/leningrad-niemand-ist-vergessen/

2) Ebda.

3) https://www.berlin.de/politische-bildung/politikportal/blog/artikel.1318726.php#:~:text=Mai%201945%20endete%20der%20Zweite%20Weltkrieg%20in%20Europa%2C,das%20Museum%20den%2078.%20Jahrestag%20der%20bedingungslosen%20Kapitulation.

4) https://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/russland-von-kz-gedenkfeier-ausgeladen-was-heißt-das-für-den-9-mai-in-berlin/ar-AA1njdO6?ocid=BingNewsSerp

5) Wolfgang Effenberger: “Schwarzbuch EU & NATO Warum die Welt keinen Frieden findet.” Höhr-Grenzhausen 2020, S. 131

6) Ebda.

7) Ebda., S. 122f.

8) Wolfgang Effenberger/Willy Wimmer: “Wiederkehr der Hasardeure”. Höhr-Grenzhausen 2014, S. 18

9) www.bundesregierung.de/resource/blob/975226/2260264/8efa1868839ede7609437b341d75c3c5/2024-02-16-ukraine-sicherheitsvereinbarung-deu-data.pdf?download=1

10) Ebda.

11) www.deutschlandfunk.de/vor-70-jahren-als-bertolt-brecht-den-offenen-brief-an-die-100.html

12) www.karlspreis.de

13) Vgl.  Döbber/Roith: Karl, der große Europäer? Ein dunkler Leuchtturm. In: Leben und Lernen in der EU, www.schulseiten.de/jvfg/page.php?page=geschichte_geschichte_3

14) Zit. wie www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=22793

15) Picker, Henry: Hitlers Tischgespräche. Frankfurt a. M. 1993, S. 166

16) Zit. wie Döbber/ Roith: Karl, der große Europäer? A. a. O.

17) Ebda.

18) Zit. wie www.spiegel.de/spiegel/ print/d-21197891.html

19) Zit. wie www.karlspreis.de/de/preistraeger/richard-nikolaus-graf-coudenho-ve-kalergi-1950/vita

20) Coudenhove-Kalergi, R. N.: Praktischer Idealismus. Adel – Technik – Pazifismus. Wien/ Leipzig 192, S. 23

21) Ebd., S. 56

22) Zit. wie www.Cambridge.org/journals/ Victorian-literture-and-culture/article/ euthanasia-and-devolution-in-speculative-fiction/DBE31BA1A4E2BBB4E- 374F595948A61E/

23) Coudenhove-Kalergi 1925, S. 33

24) Ebda., S. 39

25) https://www.wsws.org/de/articles/2022/12/20/merk-d20.html

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Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Wo stehen wir?

Veröffentlicht am: 9. Mai 2024 |

Ein Meinungsbeitrag von Willy Wimmer.

Man kann diese Frage auf vielfältige Weise beantworten. Die Lage ist komplex und reicht vom nationalen Verhalten bis zu globalen Auswirkungen. Gerade der Besuch des chinesischen Präsidenten Xi in Europa macht das deutlich. Natürlich gibt es Probleme mit den Turkvölkern in den zentralasiatischen Gebieten links und rechts vom Tien Shan. Das war nicht nur dem kasachischen Präsidenten Naserbaijev bekannt, als er nach dem Vorbild der KSZE letztlich die Shanghai-Gruppe in der Großregion aus der Taufe hob. Die Staaten der Region wollten kein Blutbad und den Grund für einen Weltkrieg liefern, aber Wege zur Lösung der Probleme offerieren. Das westliche Vorgehen ist darauf gerichtet, das Blutbad anzustreben, um sein Konzept durchzusetzen.

Das Kriegsgeschehen in Europa und Nahost macht deutlich, wie wenig es braucht, die Zündschnur zwischen den Gefahrenherden so zu legen, dass der Weg zum Weltkrieg freigeschossen wird. Für Europa hat die Bundesaußenministerin nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine die Ziele in diesem Zusammenhang wieder und wieder deutlich gemacht. Damals war die ukrainische Offensive noch nicht kläglich gescheitert und am Baerbock-Horizont winkte die Russland zuzufügende strategische Niederlage im Sinne der im Jahr 2000 durchgeführten Bratislava-Konferenz. Die strategische Niederlage sollte mit ukrainischen Siegen herbeigeführt werden. Die Ziele von Frau Baerbock sind geblieben, denn weder sie noch der Bundeskanzler haben sie revidiert. Es spricht alles dafür, dass ukrainische Mittel nicht dafür mehr herangezogen werden können, die Baerbock-Ziele Wirklichkeit werden zu lassen. Welche Mittel dann?

Die SPD plakatiert für den Europa-Wahlkampf, dass sie für „Frieden” ist. Mit was denn? Auf diese Frage hin wird der Bundeskanzler mit seiner Taurus-Entscheidung bemüht. Was soll damit auf „Frieden” hinweisen. Wenn man die ganze Diskussion zusammenfasst, fallen zwei Umstände auf. Nirgendwo ist auch nur eine Ahnung davon zu verspüren, dass Kanzler Scholz für ein Verhandlungskonzept zwecks „Frieden”, „Einfrieren des Krieges” oder Waffenruhe steht oder wenigstens päpstliche Initiativen unterstützt. Was soll es also? Ist die Taurus-Entscheidung des Bundeskanzlers nur der Versuch, nicht den Ausbruch des dritten Krieges in dem Zeitraum seit 1914 mit Russland dem heutigen NATO-Land Deutschland in die Schuhe schieben zu können?

Stimmen aus dem befreundeten Ausland in dem Kontext gibt es genug. Bedeutet das Verhalten des Bundeskanzlers stattdessen, dass Deutschland alles mitzumachen bereit ist im Sinne der Baerbock-Ziele, wenn die Abstimmung in der NATO ein gemeinsames Handeln möglich machen sollte? Präsident Macron wird seinem chinesischen Gast vielleicht erläutern, wie ohne Band der NATO die westeuropäischen Staaten militärisch im Sinne der Baerbock-Ziele auf dem Schlachtfeld Ukraine aktiv mit eigenen Truppen nach Salami-Manier tätig werden können? Bundeskanzler Scholz hat bei seinem Besuch in Litauen am 6. Mai 2024 in verhängnisvoller Weise die Türe für einen deutschen Militäreinsatz in der Ukraine offengelassen. Zwar ist er bis zum Beweis des Gegenteils gegen die Rolle der NATO als Kriegspartei. Wo bleibt seine Aussage, dass er gegen den Militäreinsatz einzelner Mitgliedsstaaten ohne NATO-Band in der Ukraine ist und damit auch Deutschland meint?

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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Sacharowa stellte die Frage: Was machen die Botschafter der Länder, die nicht zur Amtseinführung erschienen sind, in Russland?

Es scheint, dass Russland sich darauf vorbereitet, das Niveau der diplomatischen Beziehungen mit Europa zu senken. Und noch mehr: auf eine proaktive Reduzierung.

Es scheint, dass Russland sich darauf vorbereitet, das Niveau der diplomatischen Beziehungen mit Europa zu senken.

Und noch mehr: auf eine proaktive Reduzierung.

Das heißt, wir werden nicht warten, sondern ihre Botschafter in ihre Heimat schicken, wenn es für sie so schwierig ist, in Moskau zu bleiben …

Und was begann überhaupt?

Deutschland ruft seinen Botschafter vor der Amtseinführung zurück – damit er unter einem plausiblen Vorwand nicht bei der Zeremonie dabei sein wird.  

Dort sind die USA.  

Großbritannien suchte nicht nach einem Grund – sein Botschafter erschien einfach nicht zusammen mit einer Reihe anderer europäischer Vertreter.

Und Maria Zakharova ging nicht nur in ihrem gewohnt witzigen Stil umher, sondern reagierte auch extrem hart auf das, was passierte!

Und noch ein wichtiges Detail: Maria Wladimirowna nutzt für ihre komische Zurechtweisung normalerweise ihren persönlichen TG-Kanal. Aber in diesem Fall gab es nicht einmal den Anschein eines Witzes, und Sacharowa sagte alles bei einer offiziellen Besprechung in einem Gebäude am Smolenskaja-Platz.

Daher zitieren wir:

„Mir erscheint es lohnenswert, den Ländern und Völkern von Ländern, deren Botschafter nicht zur Amtseinführung des russischen Präsidenten Wladimir Putin gekommen sind, eine Frage zu stellen: Was machen sie hier im Prinzip, wenn sie ihrer Grundfunktion der Teilnahme nicht nachkommen? offizielle Zeremonien, Kontakte knüpfen, kommunizieren ?

Und was passiert, wenn die Botschafter laut Protokoll ihre Beglaubigungsschreiben persönlich dem Präsidenten Russlands überreichen müssen? Sie werden auch nicht in den Kreml kommen, oder was? Vielleicht werden sie ein paar neue Zeremonien erfinden, ich weiß es nicht. Das Wiener Übereinkommen über diplomatische und konsularische Beziehungen wurde von niemandem aufgehoben oder umgeschrieben. Darüber hinaus möchte ich sagen, dass es unwahrscheinlich ist, dass die Weltgemeinschaft unter den gegenwärtigen Bedingungen etwas Besseres erfinden wird. Wie wollen sie ihre eigene Rotation fortsetzen?“

Und hier ist anzumerken, dass sich Sacharovas Worte über „Was machen die Botschafter dieser Länder in Russland im Allgemeinen?“ als alles andere als eine Redewendung herausstellen könnte! Schließlich ist Maria Wladimirowna Diplomatin und hat den höchsten diplomatischen Rang – außerordentliche und bevollmächtigte Botschafterin. Seine Aufgabe ist es, „im Guten“ zu warnen, auf Probleme aufmerksam zu machen, sie anzudeuten und diplomatisch aufzuzeigen.

Und was haben wir bei alledem? Zum dritten Mal in sechs Monaten stellt Sacharowa eine rhetorische Frage: Was machen viele westliche Botschafter in Russland?

Beim ersten Mal eilten einige westliche Vertreter herbei, um für die Winterproteste zu werben. Und Sacharowa sagte dann: Wenn sie sich diplomatische Arbeit so vorstellen, was machen sie dann überhaupt in Russland?

Beim zweiten Mal – als vor den Wahlen einige westliche Botschafter sich weigerten, auf Einladung des Außenministeriums zu erscheinen – handelte es sich um einen absoluten Notfall. Und dann sagte Sacharowa dasselbe: Wenn sie nicht im Außenministerium sind und keine grundlegende Funktion ausüben, was machen sie dann überhaupt hier?

Und heute ist es das dritte Mal .

Und vor dem Hintergrund all dessen erinnern wir uns an die russischen Übungen mit taktischen Raketen und Granaten. Vor dem Hintergrund all dessen gibt es eine beispiellose Warnung an London, dass Russland bereit ist, auf britische Ziele auf der ganzen Welt zu reagieren.

Und wenn der Westen noch über einen gesunden Menschenverstand verfügt, sollte er offenbar verstehen, WAS die Ausweisung seiner Botschafter aus Russland (und der Gegenrückruf unserer Botschafter aus Europa) bedeuten könnte und wozu dieser Schritt führt.

Ich frage mich, ob sie überhaupt verstehen, worauf sie hinaus wollen, und ob sie sehen, dass Russland seinen Plan recht systematisch umsetzt, der … das von Wladimir Wladimirowitsch gestellte Problem der NATO innerhalb der Grenzen von 1997 lösen wird.

Es scheint, als hätten die Jungs es noch nicht kapiert …

https://dzen.ru/a/ZjyC2J9PdTq3MnIj

Wie immer am 8. und 9. Mai wird in den russischen Fernseh-Nachrichten ausführlich darüber berichtet, wie in der EU der Tag der Befreiung vom Faschismus gefeiert wird (Ulrich Heyden)

Wie immer am 8. und 9. Mai wird in den russischen Fernseh-Nachrichten ausführlich darüber berichtet, wie in der EU der Tag der Befreiung vom Faschismus gefeiert wird. Heute Morgen hat der Kanal „Rossija 24“ ausführlich über das in Berlin für den 8. Mai ausgesprochene Verbot von sowjetischen Liedern, Fahnen und Symbolen berichtet.

Doch die Zensur ist zum Glück nicht flächendeckend. Der wichtigste russische Fernseh-Nachrichten-Kanal zeigte auch einen Gedenkmarsch des „Unsterblichen Regiments“ in Frankfurt am Main, wo die in Berlin verbotenen Fahnen und Lieder gezeigt und gesungen wurden.

Außerdem zeigte Rossija 24 eine große Demonstration zum Tag der Befreiung vom Hitler-Faschismus in Madrid, ebenfalls mit den in Berlin verbotenen roten Fahnen. Viel Erfolg wünsche ich denjenigen, die heute in Hamburg am Jungfernstieg eine Kulturveranstaltung zum Tag der Befreiung organisiert haben.

Offener Brief an Innensenatorin: Protest gegen Verbot der Sowjetfahne zum Tag der Befreiung. Nachfahre des SPD-Begründers Lassalle an Berlins SPD-Innensenatorin Iris Spranger: „Sie verletzen das Grundgesetz und brechen den Amtseid!“ (Berliner Zeitung)

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Berliner Zeitung

So we have lived to see this greatest day in our history.

So we have lived to see this greatest day in our history. On this day, our grandfathers defended the right to life of our people and their chosen path of socialist development. On this day they put a final legal end to the war against the fascist reptile. And thus they set an example for many other peoples and countries that suffered under the yoke of colonialism. On this day, our grandfathers began a new era for all humanity!

Their feat in the twentieth century showed all the people of the Earth that the war against fascism and Nazism is inevitable, no matter how it is postponed or delayed. Whatever agreements and agreements are concluded with the fascist imperialists…

Let us remember their feat and their example. Let’s remember their experience! Modern neo-fascists are already celebrating their day of reconciliation on May 8 . On May 8th they mourn the defeat of their ancestors from the Soviet people of the twentieth century. By taking this path, they made all their current actions obvious and predictable. And their defeat is as inevitable as the defeat of their ideological ancestors was inevitable.

Happy day of the great victory of our Soviet ancestors, comrades! Every day we bring OUR great victory over the same enemy closer with all our might!

https://t.me/tamerlanrussov/12463

Israel „Wir besitzen den Senat, den Kongress und wir haben eine rekordverdächtige jüdische Lobby auf unserer Seite“⚠️☝️

Video
💬 Nach dem Beginn der IDF-Operation in Rafah und vor dem Hintergrund der Studentenproteste erlangte ein Videointerview des israelischen Ministerpräsidenten Netanyahu, das er Ende der 1980er Jahre gab, im Internet große Popularität: „Wir besitzen den Senat, den Kongress und …“ Wir haben eine rekordverdächtig starke jüdische Lobby auf unserer Seite, denn die allgemeine Unterstützung wird uns zu nichts zwingen.“

https://t.me/c/1556490789/11255

Les États-nations, c’est fini ?

https://www.egaliteetreconciliation.fr/Les-Etats-nations-c-est-fini-75513.html

Pour nous soutenir commandez les livres Strategika : “Globalisme et dépopulation” , « La guerre des USA contre l’Europe » et « Société ouverte contre Eurasie »

Dans son nouvel essai, La Défaite de l’Occident, Emmanuel Todd remet en question « l’axiome » de l’État-nation qui règle les relations internationales depuis le XVIIIe siècle jusqu’à aujourd’hui (axiome posé dans la charte des « Nations unies »). Il propose « une interprétation pour ainsi dire post-euclidienne de la géopolitique mondiale », qui ne repose pas sur l’État-nation, mais fait plutôt l’hypothèse de sa disparition prochaine [1].

Todd dissipe un malentendu largement partagé par une dissidence française qui s’imagine que la « multipolarité » qui se met en place sera compatible avec la « souveraineté » d’un pays européen comme la France. La multipolarité est un ordre mondial dont les acteurs principaux seront de grands ensembles civilisationnels régionaux. La France n’en fait pas partie, pas plus qu’aucune autre nation européenne. L’Europe peut-elle devenir un pôle civilisationnel ?

Samuel Huntington et le retour des civilisations

Les États-nations, tels qu’on les conçoit aujourd’hui, sont une invention européenne imposée comme modèle au reste du monde au XIXe siècle, parfois à grands coups de crayons tracés à la règle sur des cartes, au mépris des identités et des rivalités ethniques. Ce découpage du monde en États-nations n’a pas effacé d’autres réalités, par exemple, le fait que certaines puissances comme la Russie ou la Chine sont des États multinationaux et non des nations.

La thèse selon laquelle les États-nations vont perdre leur rôle central dans la géopolitique mondiale est défendue par Samuel Huntington dans Le Choc des civilisations, paru en 1996 et traduit dans le monde entier. Je vais en surprendre plus d’un – et j’ai été moi-même surpris de le découvrir –, mais c’est un livre excellent à tous points de vue. Il est malheureusement mal titré, et son titre a été exploité par les néoconservateurs à leurs fins belliqueuses. Huntington l’a regretté, ce qui tend à indiquer qu’il n’a accepté ce titre qu’à contrecœur, en échange de la gloire. Quand le titre d’un livre aussi médiatisé et applaudi dit le contraire du livre, le message du titre a plus d’impact que celui du livre.

Huntington ne prône pas le choc des civilisations, et ne le prédit même pas. Il le redoute, mais parie sur une réorganisation du monde, avec d’inévitables tensions régionales mais sans choc mondial. Le sujet de son livre est donné dans la suite du titre, qui a mystérieusement disparu de l’édition française : and the Remaking of World Order, « et la refonte de l’ordre mondial ». Le Nouvel Ordre mondial émergent est l’objet du livre de Huntington (et je suggère que nous arrêtions de réagir de manière pavlovienne à cette expression banale et neutre comme si elle était un nom de code pour la dictature mondiale). Le nouvel « ordre mondial » qu’annonce Huntington est le même que celui que prône Poutine : la multipolarité, soit un monde organisé en grandes ères civilisationnelles, chacune étant centrée sur un « État phare » (core state en version originale) qui assure la sécurité régionale. « Le monde, prédit Huntington, trouvera un ordre sur la base des civilisations, ou bien il n’en trouvera pas » [2] ; « Un ordre mondial organisé sur la base de civilisations apparaît. Des sociétés qui partagent des affinités culturelles coopèrent les unes avec les autres ; […] les pays se regroupent autour des États phares de leur civilisation. » Dans cette nouvelle configuration, prévient Huntington,

« les Occidentaux doivent admettre que leur civilisation est unique mais pas universelle et s’unir pour lui redonner vigueur contre les défis posés par les sociétés non occidentales. Nous éviterons une guerre généralisée entre civilisations si, dans le monde entier, les chefs politiques admettent que la politique globale est devenue multicivilisationnelle et coopèrent à préserver cet état de fait. » [3]

Huntington passe en revue tous les grands ensembles et leurs rapports entre eux, et tente de prédire leurs évolutions possibles, qui devraient aller dans le sens du regroupement des États-nations sous l’effet des champs d’attraction de grands États-phares, qu’on peut appeler tout simplement des puissances impériales. La Chine est sans doute la mieux préparée à cette évolution. Depuis les années 1990, elle s’est donnée pour but de « devenir le champion de la culture chinoise, l’État phare jouant le rôle d’aimant vers lequel se tournent toutes les autres communautés chinoises et retrouver sa position historique, perdue au XIXe siècle, de puissance hégémonique en Extrême-Orient. » [4] Économiquement, l’hégémonie régionale chinoise est déjà acquise.

« L’économie de l’Extrême-Orient est de plus en plus centrée autour de la Chine et dominée par elle. Les Chinois de Hong Kong, de Taïwan et de Singapour ont fourni la plus grande partie des capitaux qui ont permis la croissance sur le continent dans les années quatre-vingt-dix. Au début des années quatre-vingt-dix, les Chinois représentaient aux Philippines 1 % de la population mais contrôlaient 35 % du chiffre d’affaires des entreprises locales. En Indonésie, au milieu des années quatre-vingt, les Chinois représentaient 2 à 3 % de la population, mais possédaient environ 70 % des capitaux privés locaux. Dix-sept des vingt-cinq plus grandes entreprises étaient contrôlées par des Chinois, et un conglomérat chinois contribuait à lui seul pour 5 % au PNB. Au début des années quatre-vingt-dix, les Chinois constituaient 10 % de la population de Thaïlande, mais possédaient neuf des dix plus grands groupes et contribuaient pour 50 % au PNB. Les Chinois représentent un tiers de la population de Malaisie, mais dominent presque totalement l’économie. Hors du Japon et de la Corée, l’économie de l’Extrême-Orient est fondamentalement une économie chinoise. » [5]

L’une des grandes forces de la Chine, c’est l’exceptionnelle solidarité ethnique entre les Chinois de Chine et les Chinois de la diaspora, installés parfois depuis plusieurs générations. Pour les Chinois, « le sang prime sur l’eau » (blood is thicker than water) ; « la confiance et les engagements dépendent des contacts personnels, pas de contrats, de lois ou d’autres documents légaux. » Ce fameux « réseau de bambou » (bamboo network) donne aux Chinois de l’étranger un énorme avantage pour commercer avec la Chine. L’homme d’État singapourien Lee Kuan Yew a dit :

« Nous sommes d’ethnie chinoise. […] Nous partageons certaines caractéristiques en vertu de notre culture et de nos ancêtres communs. […] Les gens éprouvent une empathie naturelle pour ceux qui partagent leurs attributs physiques. Cette conscience de l’existence d’une proximité est renforcée quand ils ont une base linguistique et culturelle commune. Cela facilite la confiance et les relations, qui sont le fondement de tous les rapports d’affaires. » [6]

Cette puissante solidarité familiale, clanique et ethnique est encouragée par le confucianisme et par la vénération des ancêtres, si fondamentale en Chine que l’Église catholique a renoncé à le combattre et en 1939 l’a exceptionnellement déclarée licite pour les catholiques chinois. Je renvoie à mon article « Éloge du culte des ancêtres » pour ce sujet qui devrait être au cœur de toute réflexion sur les civilisations.

L’avenir du monde islamique est incertain, mais l’évolution prévisible est que l’Iran et la Turquie vont rester des pôles civilisationnels forts, tandis que l’Égypte et l’Arabie saoudite vont se disputer la direction d’un panarabisme qui a échoué jusqu’à présent (par la volonté d’Israël, mais Huntington ne le dit pas), et que l’Asie centrale turcophone cherche sa place entre la Russie et la Turquie. Le monde islamique illustre mieux que tout autre les limites de l’État-nation.

« La structure de la loyauté politique entre Arabes et entre musulmans a en général été l’opposé de celle qui prévaut dans l’Occident moderne. Pour ce dernier, l’État-nation est le parangon de la loyauté politique. Des loyautés plus restreintes lui sont subordonnées et sont subsumées dans la loyauté vis-à-vis de l’État-nation. Les groupes qui transcendent les États-nations – communautés linguistiques ou religieuses, ou civilisations – requièrent une loyauté et un engagement moins intenses. Le long du continuum qui va des entités les plus étroites aux plus larges, les loyautés occidentales atteignent ainsi un sommet au milieu, la courbe d’intensité de la loyauté formant en quelque sorte un U renversé. Dans le monde islamique, la structure de la loyauté a été presque l’inverse. L’islam connaît un creux au milieu de la hiérarchie de ses loyautés. Les « deux structures fondamentales, originales et durables », comme le notait Ira Lapidus, étaient la famille, le clan et la tribu d’une part, et « les unités formées par la culture, la religion et l’empire à plus grande échelle » de l’autre. » [7]

Dans l’islam, « la tribu et la Oumma ont été les principaux foyers de loyauté et d’engagement. L’État-nation est bien moins important. Dans le monde arabe, les États existants rencontrent des problèmes de légitimité parce qu’ils sont pour la plupart les produits arbitraires, voire capricieux, de l’impérialisme occidental, et leurs frontières ne coïncident souvent même pas avec celles des groupes ethniques, comme c’est le cas pour les Berbères et les Kurdes » [8].

La géopolitique et l’âme des civilisations

Les grands principes géopolitiques sur lesquels s’appuie Huntington sont hérités des textes fondateurs de la philosophie de l’histoire ou des civilisations, comme ceux de l’Allemand Oswald Spengler, de l’Anglais Arnold Toynbee, ou du Russe Nicolas Danilevski (les Français ont peu contribué à cette discipline). La géopolitique met l’accent sur l’importance de la géographie dans la constitution des ensembles politiques et de leurs rapports de force. Le Britannique Halford Mackinder, auteur en 1904 d’un article séminal sur « Le Pivot géographique de l’histoire » [9], était géographe et n’a jamais prétendu être autre chose. La géographie détermine à ses yeux le projet géopolitique britannique, qui est basé sur le contrôle des mers, tout comme pour l’Allemand Karl Haushofer (1869-1946), également géographe, elle imposait à l’Allemagne le projet d’étendre son espace vital (Lebensraum) à l’est [10].

Les géopoliticiens ont souvent une vision « organique » des civilisations, par opposition à une vision strictement déterministe ou « mécanique » de l’histoire comme celle que propose le marxisme. Mackinder conçoit « l’histoire comme une partie de la vie de l’organisme mondial ». Cette conception organique est particulièrement marquée chez Danilevski, qui était biologiste de formation.

La métaphore organique a cependant ses limites. Prise trop au sérieux, elle sombre dans une forme de biologisme, surtout lorsqu’elle assimile civilisation et ethnicité, comme c’est le cas dans le mouvement völkisch allemand. Pour surmonter cette limite, il faut admettre que les civilisations sont des organismes intelligents, c’est-à-dire mus non par des pulsions, mais par des idées. Pour Spengler, par exemple, l’Occident est la civilisation faustienne, dont l’idée motrice est le dépassement des limites. Spengler parle ici de l’Occident postchrétien ; jusqu’à la fin du Moyen Âge, l’Occident, c’était la chrétienté romaine.

Les Idées-forces qui animent les civilisations ont leur propre logique. Par exemple, comme j’ai essayé de le montrer dans le quatrième chapitre de mon livre La Malédiction papale, l’injonction donnée à chaque individu de se sauver, et la négation du prolongement des solidarités familiales dans l’au-delà, ont mené logiquement à cette disposition d’esprit qui distingue très nettement l’Occident postchrétien, que l’on nomme l’« individualisme » [11].

De la même manière, l’individualisme et son corolaire l’égalitarisme, menés à leur terme, conduisent à la négation de l’identité de genre. Comme l’écrit Damien Viguier dans son livre lumineux De la famille clanique au couple parental homosexuel, « la suppression dans l’espace des droits de tradition européenne, de toute conséquence juridique à la distinction entre les deux sexes, devait nécessairement conduire au mariage et à la parentalité homosexuel ».

Dans un article intitulé « Le singe devenu dieu », j’ai expliqué que le darwinisme, qui est notre catéchisme laïc, mène logiquement au transhumanisme, comme le démontrent d’ailleurs le darwinien transhumaniste israélien Yuval Noah Harari et le succès de ses livres Sapiens et Homo Deus : si c’est le hasard (les accidents génétiques) et la sélection naturelle qui nous ont faits, alors faisons mieux grâce à la technologie et prenons en main l’évolution de notre espèce.

Les idées ou les mythes moteurs d’une civilisation descendent des élites cognitives vers les masses, et non l’inverse. Elles peuvent être interrompues dans leur course par des changements brutaux de paradigme, comme le sont les révolutions. À noter aussi qu’elles peuvent être en partie suscitée, ou du moins renforcée, par « rivalité anti-mimétique » avec une autre civilisation : c’est ce qu’on observe aujourd’hui dans la polarisation des valeurs défendues respectivement par la Russie et l’Occident. C’est grâce à l’Occident qui a atteint le stade terminal de son idée faustienne (l’abolition des limites anthropologiques) que la Russie post-soviétique a pu se réinventer autour de la défense des valeurs traditionnelles.

Croire en l’influence prépondérante des idées sur la destinée des civilisations, c’est être idéaliste au sens philosophique du terme. Et l’idéalisme a pour autre nom le platonisme, entendu comme la théorie sur l’existence et l’influence réelle des Idées. Au sens large, énonce le théologien russe Pavel Florenski (1882-1937), le platonisme doit être compris « non pas comme un système défini et immuable de concepts et de jugements, mais comme un certain type d’aspiration, comme un doigt divin pointant de la terre vers le ciel, des choses d’en bas vers les choses d’en haut » [12]. Alexandre Douguine, inspirée par une riche tradition orthodoxe, affirme dans Le Platonisme philosophique (éditions Ars Magna, 2023) que la géopolitique, comme la politique, n’a de sens que dans une vision platonicienne, car chaque civilisation a son Idée motrice, qui résulte de facteurs géographiques, historiques et ethniques, mais peut-être aussi de forces spirituelles mystérieuses, sans oublier l’action décisive des « grands hommes », qui impriment leur âme sur celle de leurs peuples (le théoricien de l’importance des héros et grands hommes dans l’histoire est l’Écossais Thomas Carlyle, mort en 1881).

Si les civilisations ont une âme, sont-elles soumises à des « lois spirituelles » ? Y a-t-il, dans ce qu’Oswald Spengler appelait « la nécessité organique du destin » [13], une forme de karma collectif ? Autrement dit, une civilisation paie-t-elle, à terme, les conséquences de ses actes, ou bien est-elle mue uniquement par l’idée qu’elle se fait d’elle-même et de son destin ? Dans une perspective idéaliste ou platonique, les croyances agissent dans notre vie, mais la vérité agit d’un niveau supérieur : l’action directe de la vérité sur l’esprit humain est ce qu’on nomme l’intuition. Une civilisation, au même titre qu’une personne, file un mauvais coton lorsqu’elle se ment à elle-même, ou refuse de se regarder dans le miroir que lui tendent les autres civilisations.

Quel avenir pour l’Europe ?

Dans un entretien donné à la revue Éléments (avril-mai 2023), Christopher Coker, l’auteur de The Rise of the Civilizational State, explique : « Les Européens ne peuvent pas devenir un État civilisationnel. Les lignes de fracture qui traversent l’Europe […] ont réglé la question. » Sans véritable unité et indépendance politiques, l’Europe ne constitue pas un « pôle » dans la multipolarité. Dans La Malédiction papale, je crois avoir démontré que l’état de désunion politique et de décomposition civilisationnelle de l’Europe est le résultat d’un problème de croissance durant l’enfance de l’Europe, le Moyen Âge. L’Europe médiévale a désiré ardemment se doter d’une unité politique impériale, comme l’a montré Robert Folz dans L’Idée d’Empire en Occident du Ve au XIVe siècle (1953). Les souverains, les intellectuels, les peuples aspiraient à cet idéal, synonyme à leurs yeux non de tyrannie mais de paix et de prospérité.

Le processus organique de l’unification politique européenne était bien engagé sous la dynastie des Otton (936-1024), mais il fut contrarié sous la dynastie des Saliens (1024-1125) par l’ambition politique concurrente des papes, qui se dotent d’un État, vassalisent d’autres États, et cherchent à faire de l’empereur nominal leur lieutenant. La dernière tentative d’unifier l’Europe autour du Saint-Empire romain échoue sous la dynastie des Hohenstaufen (1125-1250), dont l’histoire grandiose et tragique se termine par l’extermination de la descendance de Frédéric II par l’homme de main du pape, Charles d’Anjou. À partir du XIVe siècle, les jeux sont faits : l’Europe s’est fragmentée en une mosaïque d’États nationaux jaloux de leur indépendance.

Mais la supra-monarchie pontificale, qui semblait alors triompher, échoue à son tour avec la nationalisation de la papauté par Philippe le Bel, puis la Réforme protestante. L’échec des deux projets (impérial et papal) laisse l’Europe en état de désunion perpétuelle et de guerre chronique, engagée dans un perfectionnement des technologies de la guerre qui lui permettra de conquérir le monde, mais la consumera en définitive. « Les nations, c’est la guerre », disaient les pionniers de la construction européenne dans la seconde moitié du XXe siècle. Comment leur donner tort ? Bertrand de Jouvenel a bien analysé l’évolution de la guerre dans son essai mémorable, Du pouvoir, écrit au lendemain de la Seconde Guerre mondiale : tandis qu’au XIIe siècle, la guerre était encore « toute petite », parce que les États ne disposaient ni de l’obligation militaire ni du droit d’imposer, elle devint au fil des siècles la grande affaire de ces mêmes États :

« Si nous ordonnons en série chronologique les guerres qui ont déchiré notre monde occidental pendant près d’un millénaire, il nous apparaît de façon saisissante que de l’une à l’autre le coefficient de participation de la société au conflit a été constamment croissant, et que notre Guerre Totale n’est que l’aboutissement d’une progression incessante vers ce terme logique, d’un progrès ininterrompu de la guerre. » [14]

En 1795, Kant émettait déjà un projet d’une « ligue de nations républicaines » dans un manifeste titré Vers la paix perpétuelle, considéré comme fondateur de la « théorie des relations internationales ». L’idée motrice est dorénavant l’Europe républicaine, fondée sur des principes universaux comme les droits de l’homme et le droit à l’auto-détermination des peuples. Précisément parce qu’elle se fonde sur des principes qu’elle proclame comme universaux, cette Europe se donne pour identité une absence d’identité. Elle se veut une Europe mondiale, sans frontière idéologique, ce qui l’a conduit inéluctablement, par la logique interne de son idée fondatrice, à renier ses propres frontières ethniques et géographiques.

La raison profonde, organique, pour laquelle l’Europe moderne est un échec, c’est qu’elle n’est pas enracinée dans l’histoire de l’Europe. On peut même dire que la construction européenne des années 1950 s’est faite sur les ruines d’une Allemagne punie pour avoir encore cru en son destin d’État phare de l’Europe. Cette Europe est un corps sans âme, qui a vidé les peuples européens de toute « conscience civilisationnelle » européenne.

L’Europe réelle se ressent si peu comme un organisme unifié que, chaque fois que l’URSS lui arracha une part de son flanc oriental (1956 et 1968), les Européens de l’Ouest ne ressentirent aucune douleur. Tel est le drame évoqué par l’écrivain tchèque Milan Kundera dans son essai mémorable de 1983, « Un Occident kidnappé ».

« La disparition du foyer culturel centre-européen fut certainement un des plus grands événements du siècle pour toute la civilisation occidentale. […] Comment est-il possible qu’il soit resté inaperçu et innommé ? Ma réponse est simple : l’Europe n’a pas remarqué la disparition de son grand foyer culturel, parce que l’Europe ne ressent plus son unité comme unité culturelle. » [15]

Mais quelle unité culturelle aurait pu sauver l’Europe centrale, sans unité politique ? Il ne peut y avoir de volonté politique sans unité politique.

Dans un petit livre fort intéressant, Si l’Europe s’éveille. Réflexion sur le programme d’une puissance mondiale à la fin de l’ère de son absence politique (Mille et Une Nuits, 2003), le philosophe allemand Peter Sloterdijk s’interroge sur l’avenir de l’Europe comme pôle civilisationnel, capable d’imposer sa propre identité et sa propre volonté entre les États-Unis et la Russie. Il parvient lui aussi à la conclusion que le mythe fondateur et moteur de l’Europe a été la translatio imperii, soit l’héritage impérial romain, déplacé vers le nord depuis les conquêtes arabes, incarné par l’Empire romain germanique, mais détruit par l’acharnement des papes. Sloterdijk a écrit cet essai en 1994, estimant que la dislocation du bloc communiste était l’occasion pour l’Europe de se réinventer. Malheureusement, il n’a pas émis d’idée précise sur la manière dont cela aurait pu se faire, et force est de constater que l’Europe est plus que jamais inexistante comme puissance politique indépendante. Par l’intermédiaire de l’OTAN, elle est tombée entièrement sous la vassalité de l’Empire américain.

Comme je l’écris dans mon nouveau livre, La Malédiction papale, l’idéaliste peut toujours rêver de souveraineté nationale, mais le réaliste sait que, pour se libérer de la domination américaine (qui est en fait, de plus en plus, une domination israélienne), l’Europe n’a pas mieux à faire que de s’allier à la puissance impériale russe, porteuse de valeurs civilisationnelles saines. Le réaliste ne renonce pas à l’Europe, mais il fait le pari que l’entente avec la Russie et son projet de multipolarité sera plus favorable à la renaissance d’une civilisation et d’une souveraineté européennes que la domination américaine. Enfin, le réaliste admet que l’Allemagne, et non la France, reste le leader naturel de la civilisation européenne, comme elle l’a toujours été. L’Europe ne pourra renaître en tant que civilisation que si l’Allemagne trouve la force de résister au racket de Washington et s’allie durablement à la Russie.

Sergio Rodríguez Gelfenstein : 70 Years After the Battle of Dien Bien Phu

Posted by INTERNATIONALIST 360°  

By Sergio Rodríguez Gelfenstein*

May 7 commemorates the seventieth anniversary of the victory of the Vietnamese people in the battle of Dien Bien Phu, which ended French colonial power throughout the Indochinese peninsula. This battle, together with the Algerian war of independence concluded in 1962 and the battle of Cuito Cuanavale that ended in November 1988 due to the joint action of the Cuban-Angolan forces in the south of this country, meant the most resounding defeats inflicted on the European colonial power in the second half of the 20th century.

In December 1953, President Ho Chi Minh sent a message to the cadres and combatants of the Dien Bien Phu Front. He told them that they had the mission to march towards that place where a strong French contingent was located, which they had to annihilate in order to expand the resistance and free the compatriots who still suffered from the yoke of the enemy.

In his letter, President Ho recalled the great successes and brilliant victories of that Front. After political education and military training campaigns, they had made new progress. In this situation, they had to fight with greater courage and despite the difficulties, they had to impose their unwavering conviction in victory.

Dien Bien Phu is a town located in the Muong Valley Thanh in the middle of a mountainous area in the northwest of Vietnam, about 320 km from Hanoi. It is the capital of the province of Dien Bien and is located about 35 km from the border with Laos. The Muong Thanh Valley is surrounded by a region of jungles, rice fields and lakes.

Two months before President Ho’s letter to the combatants, in October, General Vo Nguyen Giap was summoned to the High Command Headquarters where President Ho resided, to discuss the military plan for the 1953-54 winter-spring campaign. The headquarters was located in the village of Khuoi Tat in the Thai Nguyen province in the northeast of the country. In addition to President Ho, Truong Chinh and Pham Van Dong both members of the Political Bureau of the Communist Party of Vietnam (CPV) and General Hoang Van Thai also attended the meeting. In January, General Giap was appointed commander-in-chief of the Dien Bien Phu Front, while General Hoang Van Thai was appointed chief of staff of that Front.

Since May, the French occupation army had a new leader: General Henri Navarre, who was characterized by his intense activity and unlimited brutality against the civilian population. His plan was to concentrate a huge, unprecedented mobile force in Vietnam that added to his proposal to pacify the south of the country, avoiding a confrontation in the northern region, bordering China. The French planned to remain on the offensive, delivering blows to the rear in order to immobilize and wear down the People’s Army of Vietnam. The Navarre Plan, prepared and financed jointly with the US Pentagon, had the objective of annihilating the main Vietnamese military contingent in 18 months and transforming the country into a colony and military base for France and the United States.

At the October meeting, President Ho calmly said that the enemy had concentrated in order to reinforce itself, so it had to be forced to disperse and reduce its force. For this purpose, the Central Committee of the Communist Party of Vietnam issued a directive. In order to maintain and develop the initiative, a part of the regular forces would be used, in coordination with the regional troops, to attack the strategic points that were considered to be the enemy’s greatest weakness, forcing it to disperse to defend itself. In this way, a new situation would be created, in which the dislocation of the French army would have to be constantly observed so that, once the opportunity arose, it could concentrate the troops, eliminate the most important forces of the enemy and change the course of the war.

Likewise, provisions were issued to intensify the guerrilla war, defend the liberated areas with local troops and strengthen coordination with the revolutionary forces of Laos and Cambodia.

In compliance with this resolution, in December 1953, the Vietnamese army took the initiative, liberating important areas of the northwest of the country, at the same time that other areas in southern and central Laos and northwest Cambodia were also liberated, achieving the objective of dispersing the enemy’s forces and forcing him to recompose his plan by preventing him from carrying out operations in some territories where he had prepared them, being forced to withdraw troops from the south to reinforce the north, preventing his plan to concentrate forces. All of this created the conditions for their annihilation, as they had to abandon positions, outposts and air bases that resulted in heavy losses for the colonial power.

As General Giap said in his memoirs: “…the French were never able to resolve the concentration-dispersion contradiction in their forces.” The Vietnamese offensive aimed at deepening this contradiction. It was manifested by the fact that the French army needed to disperse to occupy all the disputed territory, but, “when it dispersed, it found itself in difficulties. Their dispersed units became easy prey for our troops, their mobile forces were continually reduced and the shortage of troops became more marked…”

In this situation and with the aim of maintaining a good position in the northwest, the French, with the support of the United States, undertook the task of extremely quickly building and reinforcing a gigantic military base in Dien Bien Phu located in a strategic area. They concentrated a good number of forces and means to convert it into the fortified area that was to become a bastion for the application of the Navarre Plan, extending and prolonging the war.

In this context, the Political Bureau of the CPV decided to defeat and annihilate the enemy in Dien Bien Phu, for which it established a series of measures aimed at victory. Multisectoral support to the army was imposed as the main task, for which thousands of volunteers, local, regional troops and regulars joined forces to overcome the technical and weapons supremacy of the colonial army. Thus, hundreds of kilometers of rural roads were opened in the middle of the jungle and mountains, transporting the weapons, ammunition and logistical supplies necessary for the eventual battle along almost inaccessible routes.

On May 7, after 55 days of fierce fighting, the Vietnamese army was able to destroy the entire Dien Bien Phu fortification system, annihilating or capturing up to 16,000 enemy troops including all their officers. In general, during the entire campaign, 112 thousand enemy soldiers were liquidated, liberating relevant strategic areas and recovering three-quarters of the country while similar successes were obtained in Laos and Cambodia.

Faced with defeat and the possibility of total disappearance, the French withdrew south of the 18th parallel. The victory of Dien Bien Phu meant the liberation of the entire north of the country, creating conditions for its subsequent reunification that would wait 19 more years of fight – now against the United States that created a puppet government in the south.

In July 1954, the Geneva Accords were signed, through which France formalized the withdrawal of its troops, recognized the independence of Vietnam, Laos and Cambodia and established a demarcation line at the 17th parallel. Likewise, it was agreed to hold elections in July 1956 to move towards the reunification of the country.

The victory of Dien Bien Phu and the subsequent Geneva Agreements that emanated from it, exposed a total defeat of France and meant a stimulus for all peoples fighting against colonialism and neocolonialism. Likewise, they forced the postponement of the imperialist plans designed in Washington for Southeast Asia.

The United States did not comply with the agreements, creating a new situation that, as said before, required another 19 years of struggle until the total defeat of the North American empire, achieving the long-awaited national reunification, peace and the sustained start of the country’s march towards socialism under the leadership of the Communist Party of Vietnam, founded by Ho Chi Minh.


*Sergio Rodríguez Gelfenstein: A Venezuelan international relations expert, Gelfenstein was previously Director of the International Relations of the Presidency of the Bolivarian Republic of Venezuela, his country’s ambassador to Nicaragua and an advisor for international politics for TELESUR. He has written numerous books, among them “China in the XXI Century – the awakening of a giant”, published in several Latin American countries. You can follow him on Twitter: @sergioro0701

Source: https://libya360.wordpress.com/2024/05/07/70-years-after-the-battle-of-dien-bien-phu/

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